Haft für Angeklagte : Nur ein Hauch von Empathie: Härtere Strafen für Gruppenvergewaltiger

Die Verurteilten müssen Haftstrafen von neun Monate bis viereinhalb Jahren absitzen.

Die Verurteilten müssen Haftstrafen von neun Monate bis viereinhalb Jahren absitzen.

Drei der fünf Angeklagten wurden im Revisionsprozess vom Landgericht zu Freiheitsstrafen verurteilt.

shz.de von
06. Juni 2018, 20:00 Uhr

Hamburg | Im Revisionsprozess um die Gruppenvergewaltigung einer 14-Jährigen haben am Mittwoch fast alle Angeklagten höhere Strafen erhalten als in erster Instanz. Statt einen schickte das Landgericht diesmal drei der fünf Täter hinter Gitter; die beiden anderen erhielten Bewährungsstrafen. „Die Gefühllosigkeit der Taten hat nicht nur uns, sondern auch die Öffentlichkeit bewegt“, sagte die Vorsitzende Richterin Anne Meier-Göring. In der nur teils öffentlichen Urteilsverkündung sprach sie von „hoch defizitären Persönlichkeitsstrukturen“ der Angeklagten, von deren „schädlichen Neigungen“ und „sozialer Verarmung“.

Die Tat vom Februar 2016 hatte in der Stadt für Fassungslosigkeit gesorgt. Die fünf Täter – damals 14 bis 21 Jahre alt – hatten die 14-Jährige auf einer Feier in Harburg betrunken gemacht und sie anschließend schwer sexuell missbraucht.

Der einzig erwachsene Beteiligte vergewaltigte die Jugendliche, einige der Mittäter misshandelten diese, indem sie Gegenstände in sie einführten. Eine 15-Jährige filmte die Taten mit dem Handy, anstatt zu helfen. Nach der grausamen Vergewaltigung legte die Gruppe das komatöse Mädchen halbnackt im Hinterhof ab – bei Temperaturen um null Grad. Nur weil ein Nachbar Schreie hörte, überlebte das Opfer. 

Die Angeklagten haben die Taten weitgehend gestanden, lediglich der 21-Jährige sprach von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr, was das Gericht als Schutzbehauptung verwarf. Im ersten Prozess erhielt er vier Jahre Haft, alle anderen Angeklagten kamen mit Bewährung davon. Die milde Bestrafung löste breite öffentliche Empörung aus, ebenso wie die Tatsache, dass Freunde und Angehörige der Täter das Urteil damals im Gerichtssaal mit Jubelstürmen feierten. Der Bundesgerichtshof verwies den Fall später zur Revision nach Hamburg zurück.

Echte Reue sei nicht erkennbar

Zum Persönlichkeitsschutz von Opfer und Tätern war die Öffentlichkeit von der Revisionsverhandlung ausgeschlossen. Die Jugendstrafkammer erhöhte die Strafe für den Erwachsen auf viereinhalb Jahre. Zwei zur Tatzeit 14- und 16-Jährige erhielten Jugendstrafen von drei Jahren sowie zwei Jahren und neun Monaten ohne Bewährung. Die Jungendlichen hätten seit 2016 weitere Straftaten begangen, so das Gericht, echte Reue sei nicht erkennbar. Bei beiden bestehe „erheblicher Erziehungsbedarf, der nur im Rahmen eines länger andauernden Jugendstrafvollzugs gewährleistet werden könne“. 

Das einzige Mädchen auf der Anklagebank erhielt eine um acht Monate erhöhte Jugendstrafe von 20 Monaten, muss aber ebenso wenig in Haft wie ein damals 17-Jähriger. Sie hätten dem Ablegen des Opfers im Freien zumindest widersprochen und einen „Hauch von Empathiefähigkeit“ gezeigt, heißt es im Urteil. Sie müssen ihre Therapien fortsetzen.

Anders als im ersten Verfahren hatte diesmal auch das Vergewaltigungsopfer ausgesagt. Die heute 16-Jährige sei nach außen hin „durchaus gefasst“ aufgetreten, berichtete das Gericht. Die Entschuldigungen der Angeklagten habe sie ruhig entgegengenommen.

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