Konjunkturperspektiven 2018 : Nord-Wirtschaft schlägt Alarm: Der Süden hängt uns ab

UVNord und Industrieverband Hamburg verlangen bei ihrer Jahresveranstaltung deutliche Investitionen in die Infrastruktur.

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01. Dezember 2017, 15:54 Uhr

Hamburg | Die norddeutsche Wirtschaft blickt zuversichtlich ins Jahr 2018 – warnt aber zugleich vor Selbstzufriedenheit. Im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands falle der Norden bei der Wirtschaftskraft stetig zurück, mahnte UVNord-Präsident Uli Wachholtz am Freitag bei der Jahresveranstaltung „Konjunkturperspektiven 2018“ von UVNord und Industrieverband Hamburg (IVH). Seit Jahrzehnten hinkten die Küstenländer hinter den Wachstumsraten der süddeutschen Länder her, der Anteil an der Wertschöpfung nehme beständig ab.

Mit der Abflachung der Zuwächse im Welthandel verliere obendrein eine angestammte Stärke des Nordens an Bedeutung, betonte Wachholtz, der für die Region einen immer stärkeren „Anpassungsdruck“ sieht. Zusätzlich belastend wirkten der Fachkräftemangel und die „deutlich gestiegenen Arbeitskosten“. Trotz bester Konjunkturaussichten sei deshalb gerade jetzt die Stunde des „politisches Handelns auf Kernfeldern“.

Unter anderem verlangt der UVNord deutliche Investitionen in die Infrastruktur, „zu Wasser, zu Lande, in der Luft und in Leitungen“. Wachholtz: „Wir waren mal das Tor zur Welt, doch wir haben dieses Tor nicht ganz so gut in Schuss gehalten“. Erhebliche Anstrengungen seien auch bei der Bildung sowie bei der digitalen Transformation erforderlich. „Nur so können wir verlorenes Terrain wieder gutmachen.“

Wirtschaftsforscher Henning Vöpel bestätigte eine „zunehmende Divergenz“ bei der Wirtschaftskraft zwischen Nord- und Süddeutschland. Die Phase der Digitalisierung werde diese Kluft vermutlich weiter vergrößern, sagte der Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). „Das sollte der Politik und der Wirtschaft im Norden Sorgen machen.“ Er riet dazu, auch in Norddeutschland Forschung und Wissenschaft stärker zu fördern und näher an die Wirtschaft heranzurücken. Für die unmittelbare Zukunft verbreitete der HWWI-Chef indes Zuversicht. Der Konjunkturhimmel bleibe global, national und regional auch im kommenden Jahr blau, Wölkchen ließen sich kaum ausmachen. Negative Gegenbewegungen – wie steigende Löhne und Inflation – seien erst für 2019 und 2020 zu erwarten.

Der IVH-Vorsitzende Michael Westhagemann wollte das Hoch der Weltwirtschaft als „Weckruf“ verstanden wissen, um gerade jetzt Zukunftsthemen im Norden zu forcieren. Dazu zählten vor allem die Digitalisierung, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und die Energiewende. Das Projekt Norddeutsche Energiewende NEW 4.0 sei dabei eine „Blaupause“ für die Gestaltung der Energiewende. Allerdings sei der gesetzliche Rahmen, so Westhagemann, nicht ausreichend, um die nötigen Zukunftstechnologien wirtschaftlich zu entwickeln.

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