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Chinesischer Onlinehändler : Neues Container-Terminal: Alibaba will in den Hamburger Hafen

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Der Ausgang eines Ideenwettbewerbs der Hafenbehörde HPA sorgt für Wiederstand – der soziale Frieden sei in Gefahr.

shz.de von
erstellt am 13.Jul.2017 | 18:40 Uhr

Hamburg | Unruhe im Hamburger Hafen: Teile der Hafenwirtschaft warnen vor einem weiteren Containerterminal und vor allem vor dessen Betrieb durch chinesische Firmen. Auslöser ist der überraschende Ausgang eines Ideenwettbewerbs der Hafenbehörde HPA zur Nutzung im zentralen Hafengebiet. Sieger wurde das Konsortium aus ZPMC Germany/China Communications Construction Company (CCCC) mit dem Vorschlag, auf dem Areal Steinwerder Süd ein automatisiertes Container-Terminal mit Logistik-Park zu errichten. Es wäre der erste Terminal an der Elbe, der von China aus geführt würde. Laut HPA ist die Fläche 42 Hektar groß und bietet Potenzial für bis zu 1100 Meter Kaimauer mit drei Liegeplätzen für große Schiffe.

Die Chinesen wollen im Zuge ihrer „One Belt – One Road“-Initiative ein interkontinentales Infrastruktur-Netz zwischen Europa und China aufbauen und werfen nun ein Auge auf Hamburg. Ihr womöglich größtes Plus: Sie bieten an, Terminal und Infrastruktur selbst zu bezahlen und zusätzlich eine jährliche Konzessionsabgabe an die HPA zu zahlen. Ihr Konzept sieht vor, auf Steinwerder den Oderhafen zuzuschütten und auf den Flächen einen automatisierten Containerterminal mit „modernster Handling-Technologie“, einem „E-Hub Logistik-Park“ sowie „smarten, automatisierten Lagerhallen“ zu schaffen. Zudem, so heißt im Entwurf weiter, solle ein „internationales (asiatisches) E-Commerce-Unternehmen“ angesiedelt werden. Dabei dürfte es sich um die Alibaba-Gruppe handeln, mit einem Jahresumsatz von rund 20 Milliarden Euro Chinas größter Onlinehändler, und am siegreichen Konsortium beteiligt.

Ob die Chinesen zum Zuge kommen, ist zwar völlig offen, dennoch hat sich im Hafen schon breiter Widerstand formiert. Gunther Bonz, Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg: „Der Hafen braucht kein weiteres Containerterminal.“ Das erwartete Wachstum bis 2025 lasse sich mit bestehenden Terminalkapazitäten und deren Erweiterungen bewältigen. Tatsächlich hatte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) erst kürzlich alle Planungen für einen weiteren Containerumschlagplatz auf Eis gelegt.

Regelrecht Sturm gegen die Überlegungen laufen die Hafen-Platzhirsche HHLA und Eurogate. Vor allem im Aufsichtsrat der mehrheitlich städtischen HHLA herrscht Unverständnis, dass der Senat einem mächtigen Konkurrenten die Tür öffnen könnte. Die Arbeitnehmervertreter fürchten um Jobs und Beschäftigungsstandards. Thomas Mendrizk, Betriebsratschef am HHLA-Terminal Altenwerder und Chef des Arbeitskreises Häfen bei der Gewerkschaft Verdi, droht: „Wenn die Chinesen hier den Zuschlag bekommen, dann ist der soziale Frieden im Hafen in Gefahr.“ Dagegen werde die Gewerkschaft massiv vorgehen.

Wirtschaftssenator Horch versuchte am Donnerstag, die Gemüternzu beruhigen. Der Ideenwettbewerb habe einen Blick über den Tellerrand hinaus werfen und kreative Vorschläge für die Zukunft des Hafens sammeln sollen. „Damit ist keine Entscheidung getroffen.“

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