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Skandale, Pannen und Fast-Pleiten : Neues Buch über die HSH-Nordbank

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Die HSH Nordbank wird entweder verkauft und umbenannt oder abgewickelt. Ein neues Buch spürt der Leidensgeschichte der Bank nach und kommt zu dem Fazit: Sie konnte die hohen Erwartungen nie erfüllen.

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2016 | 06:59 Uhr

Hamburg/Kiel | Das letzte Kapitel über die HSH Nordbank ist noch nicht geschrieben. Doch es ist festgelegt, was drinstehen soll: Die Bank wird mit öffentlichem Geld verkaufsfertig gemacht und dann an den Meistbietenden vergeben. Wenn keiner das Institut haben will, dann wird es abgewickelt. Der Schaden für die Steuerzahler in Hamburg und Schleswig-Holstein geht so oder so in die Milliarden. Am Ende des Jahres 2018 ist die HSH Nordbank vom Markt verschwunden, im besten Fall aufgegangen in einem anderen Finanzinstitut oder mit neuem Namen unterwegs.

Prof. Norbert Dieckmann von der privaten Hamburger EBC Hochschule hat die Geschichte der HSH Nordbank nachgezeichnet, von der Fusion der beiden Landesbanken in Hamburg und Schleswig-Holstein im Jahr 2003 bis in die Gegenwart. Eine Geschichte voller Skandale und Pannen, Fast-Pleiten und unfassbarer Fehler. Sein Fazit: „Die hochgesteckten Erwartungen, die mit der Fusion verbunden waren, konnten nicht erfüllt werden.“ Am Anfang stand der Plan, einen internationalen Finanzkonzern an die Börse zu bringen, am Ende ein Scherbenhaufen.

Dieckmanns Analyse bestätigt weitgehend die Erkenntnisse von zwei parlamentarischen Untersuchungen und einem Strafprozess. Maßgeblich für die Skandalgeschichte der HSH Nordbank waren Defizite in der Bank, mangelnde Risikokultur, Renditedruck von den Eigentümern, fehlendes Know-how, zu wenig Kompetenz. Die Bank sog sich voll mit Liquidität, als sie das noch billig konnte, weil die Länder für die Rückzahlung garantierten. Und konnte all das Geld gar nicht mehr sinnvoll verleihen, so dass es zu den verhängnisvollen „Kreditersatzgeschäften“ kam. Das waren Investments in synthetische Wertpapiere, die während der Finanzkrise ab 2008 zusammenbrachen.

Auf gut 100 Seiten, plus 60 Seiten Anhang, rekonstruiert Dieckmann anhand von Protokollen, Geschäftsberichten, Medienmeldungen und durch Interviews mit Zeitzeugen die dramatischen Ereignisse, vor allem rund um die Jahre 2008 und 2009. Dabei enthüllt er interessante Details. So behauptet der frühere Hamburger Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU), er selbst habe als Aufsichtsratsvorsitzender den Vorstand der HSH Nordbank gegen dessen Willen vom einmal eingeschlagenen Expansionskurs abgebracht.

Ehemalige HSH-Vorstände haben nicht mit Dieckmann gesprochen. Wohl aber die frühere Kieler Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD). Ihre Erkenntnis: „Das internationale Bankgeschäft ist ein Unterfangen, das ein Politiker nicht im Detail nachvollziehen kann. Da kann man sich mit Ausdauer etwas aneignen, aber eigentlich sind die politischen Gremien damit überfordert.“

Der Ausgang ist offen. Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Mirow hält die HSH Nordbank für eine „wettbewerbsfähige und durch und durch vernünftig aufgestellte Bank“. Das sieht Buchautor Dieckmann etwas skeptischer. Er findet die Zuversicht des Aufsichtsratsvorsitzenden, einen Käufer für die Bank zu einem angemessenen Preis zu finden, „sehr optimistisch“.

 

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