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Hamburg : Neuer Spielplan: Thalia Theater wird politischer

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Der Intendant des Thalia Theaters präsentiert den neuen Spielplan. Es geht um soziale Ungleichheit und Flüchtlinge.

Hamburg | Der Intendant des Hamburger Thalia Theaters, Joachim Lux, hat für die kommende Saison einen „dezidiert politischen“ Spielplan angekündigt. Es gehe um politische Systeme, soziale Ungleichheit und die Flüchtlingsproblematik, sagte Lux bei der Vorstellung des neuen Spielplans 2015/16 am Freitag. „Das Politische ist ein Kern des Theaters.“ Zugleich sei das Theater aber auch von der Politik abhängig, genauer gesagt von staatlicher Unterstützung. Hier dürfe es keine weiteren Einsparungen geben.

„Im kommenden Spielplan versuchen wir, das Politische noch stärker zu betonen als bisher ohnehin schon“, sagte Lux. „Und das ist ohne große Titel wie ,Deutschstunde' oder ,Die Blechtrommel' unter ökonomischen Aspekten durchaus riskant.“ Der Spielplan biete auch Klassiker wie Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“, Franz Kafkas „Das Schloss“ oder Samuel Becketts „Warten auf Godot“, sagte Lux. Dazu kommen Projekte wie eine Emile-Zola-Trilogie des Regisseurs Luk Perceval. Der Belgier macht aus Romanen Zolas eine Trilogie, in der es um Aufstieg und Abstieg, Reichtum und Armut, Ausbeutung und Revolution geht. Soziale Ungleichheit steht auch im Mittelpunkt von Gerhart Hauptmanns „Die Weber“ oder Ödön von Horvaths „Kasimir und Karoline“.

Einen zweiten Schwerpunkt überschrieb Lux mit „Ost und West“. Dazu gehöre die Wiederentdeckung des US-Autors Tony Kushner. Das Stück „Angels in America“ thematisierte bereits 1985 Endzeitgefühle, die Ahnung, „dass das US-System des ,anything goes' auf sein Ende“ zugehe, sagte Lux. Der lettische Regisseur Alvis Hermanis richtet den Blick nach Russland. Aus letzten Szenen in Werken von Fjodor Dostojewski, Leo Tolstoi oder Maxim Gorki macht er in „Russland.Endspiele“ einen Reigen kleiner und großer Apokalypsen.

Was mit Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“ zum Thema Flüchtlinge begann, wird im nächsten Spielplan fortgesetzt, kündigte Lux an. Dazu gehören „Das Versprechen“ nach einem Film der belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, ein Projekt über minderjährige unbegleitete Flüchtlinge und das Stück „Schnee“ nach dem Roman von Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk.

Neben neuen Produktionen gebe es auch neue Gesichter am Thalia, sagte Lux. Unter ihnen seien mit Julia Lochte als neuer Chefdramaturgin und Matthias Günther zwei der besten Dramaturgen Deutschlands. Beide kommen von den Münchner Kammerspielen.

Lux warnte vor weiteren Sparauflagen. Eigentlich könne man mit Blick auf den Etat nur verzweifeln. Das Thalia sei mit Abstand das am schlechtesten finanzierte Theater der oberen Liga im deutschsprachigen Raum. Zugleich sei das Haus das wirtschaftlich erfolgreichste, sagte Geschäftsführerin Theresa Twachtmann. Je nach Saison würden 25 bis 30 Prozent des Etats von etwa 27 Millionen Euro alleine erwirtschaftet. Der Zuschuss der Stadt liege bei 20 Millionen Euro im Jahr.

In der Spielzeit 2013/14 habe das Thalia vom Umbau des Schauspielhauses profitiert und weit über 300 000 Besucher gehabt, erklärte Twachtmann. Die Auslastung lag im Großen Haus bei 75 Prozent und in der Gaußstraße bei 82 Prozent. Das normalisiere sich jetzt. Lux erwartet für die laufende Saison bis zu 280.000 Besucher. Die Preise würden um sechs bis sieben Prozent erhöht.

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erstellt am 10.Apr.2015 | 13:41 Uhr

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