Katholische Kirche : Neuer Erzbischof Stefan Heße in Hamburg begrüßt

Heße ist der neue Erzbischof von Hamburg.
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Heße ist der neue Erzbischof von Hamburg.

Der Kölner Stefan Heße wird Nachfolger von Werner Thissen. Gleich am ersten Tag bekam er seine Begräbnisstätte gezeigt.

shz.de von
27. Januar 2015, 14:47 Uhr

Hamburg | Mit Applaus und dem Lied „Viel Glück und viel Segen“ haben rund 200 Katholiken den neuen Erzbischof Stefan Heße in Hamburg begrüßt. Im Mariendom stellte sich Heße am Dienstag in einer kurzen Ansprache vor. Er rief seinen Zuhörern ein „Moin!“ zu und betonte, dass er das Bistum kennenlernen und die Menschen so nehmen wolle, wie sie sind. „Sie müssen mich auch ein bisschen so nehmen, wie ich bin“, sagte der 48-Jährige in Anspielung auf seine Kölner Herkunft. Er werde, wenn er gesund bleibe, 27 Jahre Bischof in Hamburg sein.

Domprobst Franz-Peter Spiza zeigte ihm nach einem Gebet die Krypta des Doms, wo die Bischöfe beigesetzt werden und Heße sich noch eine Grabstätte aussuchen könne. „Heute noch nicht“, antwortete der neue Oberhirte, der das jüngste Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz sein wird.

Papst Franziskus hatte den Kölner Generalvikar am Montag zum neuen Erzbischof ernannt. Heße soll am 14. März in sein Amt eingeführt werden. Er tritt die Nachfolge von Werner Thissen an, der 2013 mit 75 Jahren sein Amt aus Altersgründen niedergelegt hatte. Zum Erzbistum Hamburg gehören rund 400.000 Gläubige in der Hansestadt, in Schleswig-Holstein und Mecklenburg.

„Wir sind eine Kirche des Aufbruchs“, sagte Heße. Er bilde sich nicht ein, dass er den lieben Gott nach Hamburg bringen müsse. „Gott ist längst da!“ Die Kirche habe aber eine Botschaft, die Sinn stifte. Ob sie angenommen werde, sei die Freiheit jedes Einzelnen. „Eine erzwungenen Glaubensentscheidung ist unlebbar und falsch, hält nicht.“ Die Katholiken müssten zeigen, dass sie Freude am Glauben haben. „Wir dürfen uns als Kirche nicht verstecken.“ Die Ökumene spiele für ihn eine wichtige Rolle. Die guten Kontakte des Erzbistums zur evangelischen Kirche wolle er gerne weiterführen.„Ich glaube, dass wir gerade als Kirche in der Diaspora Seit' an Seit' stehen sollten, dass es darauf ankommt, dass wir als Christen Gott eine Stimme geben.“ Er würde es sehr begrüßen, wenn in die Landesverfassung von Schleswig-Holstein doch noch ein Gottesbezug aufgenommen werden sollte. „Ich hoffe, dass wir Verbündete finden, nicht nur Christen“, sagte der neue Erzbischof.

Ihm sei klar, dass die Katholiken im Norden auch Tür an Tür mit Menschen muslimischen Glaubens und anderer Religionen lebten. Der interreligiöse Dialog sei eine Herausforderung, sich immer besser kennenzulernen. Heße stellte sich zugleich gegen die islamkritische Bewegung Pegida. Der Kölner Dom habe während einer Demonstration von Pegida das Licht ausgeschaltet. An dem Gotteshaus weise nun ein Transparent darauf hin, dass jede Diskriminierung eines Menschen dem Geiste Christi widerspreche. Die Kirche lehne Ausgrenzung ab und müsse sich auch auf die Seite von Flüchtlingen stellen.

Zur Zulassung von Wiederverheirateten zur Kommunion äußerte sich der neue Bischof vorsichtig. Es gebe keine einfachen Schwarz-Weiß-Antworten. Er sei froh, dass Papst Franziskus das Thema anpacke. Heße bedauerte auch die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. „Das hätte nie passieren dürfen, aber es ist passiert.“ Nun müsse sich die Kirche dem Thema konsequent stellen. Die Opfer stünden dabei immer im Mittelpunkt. Transparenz sei nicht nur im Umgang mit Finanzen wichtig.

Als Kirchenführer wolle er transparent und gerecht sein. „Ich werde versuchen, ehrlich, offen, mit Haut und Haaren zu kommen.“ Er bat die Gläubigen, auch mit ihm „Tacheles“ zu reden.

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