Hochwasserschutz : Neue Überschwemmungsgebiete für Hamburg

Hamburg bekommt elf zusätzliche Überschwemmungsgebiete. Nicht alle sind von dem Vorhaben angetan: Für 5000 Grundstücksbesitzer hat dies drastische Konsequenzen.

shz.de von
10. Juni 2014, 16:02 Uhr

Hamburg | Die Stadt Hamburg will die Zahl ihrer Überschwemmungsgebiete nahezu verdreifachen. Wie Umweltsenatorin Jutta Blankau (SPD) am Dienstag bekannt gab, wird ihre Behörde elf zusätzliche Areale ausweisen, in denen sich Flüsse und Bäche bei Starkregen kontrolliert über die Ufer ergießen können. Bisher gibt es in der Metropole sechs solcher Überflutungsräume an Alster, Wandse, Bille, der Mittleren Bille, Este sowie am Unterlauf von Gose- und Dove-Elbe. Aufgrund verschärfter Vorgaben des Bundes muss der Senat nun weitere zehn solcher Flächen ausweisen sowie eine bestehende erweitern, und zwar an Kollau, Tarpenbek, Ammersbek, Lottbek, Berner Au, Osterbek, Brookwetterung, Oberer Dove-Elbe, Gose-Elbe, am Falkengraben sowie an der Este.

Damit werden laut Blankau künftig 1,5 Prozent des Hamburger Territoriums diesen besonderen Status erhalten. Hintergrund der Ausdehnung ist eine Richtlinie aus Brüssel, mit der die EU die Mitgliedsstaaten auffordert, sich auf die Folgen des Klimawandels einzustellen. Klimaforscher prophezeien auch in Hamburg für die kommenden Jahrzehnte eine deutliche Zunahme von Extremwetterlagen, darunter Starkregenfälle.

Überschwemmungsgebiete sind als Bereiche an Binnengewässern definiert, die bei einem schweren Hochwasser, statistisch gesehen einmal in 100 Jahren überflutet werden. Um in diesen Fällen Hochwasserschäden für Mensch und Tier, Gebäude und Landschaft zu vermindern, hat der Bund die Länder per Gesetz verpflichtet, die entsprechenden Risikogebiete festzusetzen.

Eine solche Ausweisung hat erhebliche Auswirkungen für die Grundstückseigentümer und die gesamte Nutzung der Flächen. Vor allem darf in Überschwemmungsgebieten nicht mehr gebaut werden, selbst Zubauten, wie Carports, sind dort in aller Regel nicht genehmigungsfähig. Untersagt sind generell Veränderungen der Erdoberfläche sowie die Lagerung von Gegenständen, die vom Wasser mitgerissen werden könnten. Komplett verboten ist die Lagerung wassergefährdender Stoffe. Bestehende Nutzungen genießen jedoch Bestandsschutz. Von den dann 16 Flächen in Hamburg sind etwa 5000 Hauseigentümer betroffen. Die Gebiete umfassen insgesamt 11,7 Quadratkilometer und eine Gewässerlänge von 130 Kilometern.

Umweltsenatorin Blankau: „Überschwemmungen sind Naturereignisse. Sie lassen sich nicht verhindern, aber durch vorausschauende Nutzung der betroffenen Flächen kann man die negativen Folgen mindern und Gefahren vorbeugen." Wichtig seien Überschwemmungsgebiete zudem als natürliche Rückhalteflächen, die Wasser zwischenspeichern und Hochwasserstände senken helfen. Die rechtliche Sicherung der Gebiete sei „ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz“. Die Ausweisung der neuen Überflutungsbereiche sei damit auch bedeutsam für eine „vorausschauende, klimaangepasste Siedlungs- und Freiraumentwicklung in Hamburg“. Die Auswirkungen der Überschwemmungsgebiete würden in den  Stadtentwicklungskonzepten Berücksichtigung finden.

Pikant ist für die Behörden in diesem Zusammenhang allerdings der geplante Bau einer Flüchtlingsunterkunft in einem potenziellen Hochwassergebiet. Der Bezirk Eimsbüttel will in Lokstedt ein Wiese aufschütten, um dort ein Heim für knapp 300 Asylbewerber zu errichten. Die Fläche an der Kollau erfüllt die Kriterien für Überschwemmungsgebiete, wurde aber noch vor der Ausweisung überplant. Anwohner befürchten, der Wegfall der Flutfläche werde das Hochwasserrisiko für ihre Häuser erhöhen.

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