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Nach Tod von Baby Tayler : Neue Kommission in Hamburg will Kinder besser schützen

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In Hamburg sind mehrere Kinder durch Misshandlungen gestorben. Eine Enquete-Kommission will ihre Rechte schützen.

Hamburg | In Hamburg hat eine Enquete-Kommission für Kinderschutz und Kinderrechte die Arbeit aufgenommen. Ziel der Kommission sei es, der Hamburgischen Bürgerschaft bis Ende Oktober 2018 konkrete Vorschläge zu unterbreiten, wie Kinderschutz und Kinderrechte in der Hansestadt gestärkt werden könnten, sagte Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) bei der konstituierenden Sitzung am Dienstag im Hamburger Rathaus. Damit Jugendämter Gefährdungen schneller erkennen könnten, müsse die Vernetzung aller an der Kinder- und Jugendhilfe beteiligten Stellen verbessert werden, forderte Veit.

Der Fall Tayler ist nicht der erste Fall von Kindesmisshandlung, wegen dem das Jugendamt Hamburg in die Kritik geriet. Im November 2015 hatte das Landgericht einen 27-Jährigen wegen schwerer Kindesmisshandlung verurteilt. Er hatte nach Überzeugung des Gerichts seinen drei Monate alten Sohn so heftig geschüttelt, dass dieser seit der Tat Ende April schwerstbehindert ist. Vor zwei Jahren wurde Yagmur von ihrer Mutter getötet.

Zum Vorsitzenden wählte die Enquete-Kommission den Koblenzer Pädagogik-Professor Christian Schrapper und als Stellvertreter die Fraktionschefin der Linken, Sabine Boeddinghaus für das Jahr 2017 sowie Daniel Oetzel (FDP) ab 2018. Daneben wurde eine Geschäftsordnung beschlossen. Der Kommission gehören neun Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft und neun Sachverständige an.

Enquete-Kommissionen sind überfraktionelle Arbeitsgruppen. Sie werden vom Bundestag oder den Landesparlamenten eingesetzt, um gemeinsame Lösungen für komplexe Probleme zu finden, die die ganze Gesellschaft betreffen. Das gilt auch für die Frage, wie Kinder besser vor Misshandlungen geschützt werden können. Die Hamburger Bürgerschaft hatte die Einsetzung der Kommission nach einem gemeinsamen Antrag von SPD, Grünen, Linken und FDP am 28. September gegen die Stimmen von CDU und AfD beschlossen.

In der Vergangenheit hatten in der Hansestadt mehrere Fälle von Kindesmisshandlungen für Aufsehen gesorgt, darunter auch der Fall des totgeschüttelten Babys Tayler. Der Junge war am 12. Dezember 2015 mit schwersten Hirnverletzungen und einem Schütteltrauma in die Notaufnahme des Universitätsklinikum Eppendorf eingeliefert worden und eine Woche später gestorben. Am Montag hatte das Landgericht Hamburg den 27-jährigen Stiefvater Taylers zu elf Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Der 13 Monate alte Tayler sei von dem Angeklagten massiv und gewaltsam „10 bis 15 Mal geschüttelt“ worden, begründete die Vorsitzende Richterin ihr Urteil. Das Kind stand zum Tatzeitpunkt unter Betreuung des Jugendamtes. In diesem und in mehreren weiteren Misshandlungsfällen habe es in der Hansestadt Defizite bei der Einhaltung von Standards und Vorschriften gegeben, hieß es im Einsetzungsantrag der Kommission.

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erstellt am 20.Dez.2016 | 10:50 Uhr

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