zur Navigation springen

Fussball in Hamburg : Neonazi-Vorwurf: SC Sternschanze sagt Spiel gegen SC Osterbek ab

vom

Der Hamburger Fußball-Verband setzt ein Spiel am Wochenende wegen Rechtsextremismus ab. Der 3. Herrenmannschaft des SC Osterbek droht der Ausschluss aus der Liga.

Hamburg | Sie trugen Nazi-Tattoos, ihr Libero stimmte vor dem Anstoß die erste Strophe des Deutschlandliedes an: Auf diese mutmaßlichen rechtsradikalen Umtriebe in der dritten Herrenmannschaft des SC Osterbek reagiert der Hamburger Fußballverband (HFV) mit einer drastischen Maßnahme. Erstmals in seiner Geschichte sagte der HFV ein Spiel wegen Neonazi-Verdachts ab. Das bestätigte HFV-Geschäftsführer Karsten Marschner.

Am kommenden Sonntag hätte das Osterbeker Team aus Bramfeld zum Zehntligaspiel bei den 5. Herren des SC Sternschanze antreten sollen. Doch die Gastgeber weigerten sich, aufzulaufen. Begründung von Trainer Carsten Heidemann: „Wir wollen solchen Leuten keine Plattform bieten.“

Die Kicker vom Sternschanzenpark begründeten ihren Boykott in einem offenen Brief an den HFV. Auslöser waren demnach Vorkommnisse in der vorigen Saison, als der Libero von Osterbek 3 auf dem Platz „Deutschland, Deutschland über alles“ gesungen habe. Zudem seien mehrere der gegnerischen Spieler durch Tätowierungen und Kleidungsstücke mit Nazi-Hintergrund aufgefallen. Anschließend stieß die Sternschanzen-Elf in sozialen Netzwerken im Internet auch auf Fotos, die eine rechtsradikale Haltung bei einigen Osterbeker Fußballern belegen; mehrere von ihnen sind zudem durch Gewalt auf und neben dem Platz aufgefallen.

Der SC Sternschanze 5 entschied daraufhin einmütig: „Gegen Neonazis spielen wir nicht.“ Man wolle nicht den ganzen SC Osterbek in Misskredit bringen, aber doch ein klares Zeichen gegen Rechtsextremisten setzen. Kapitän Gunnar Ebmeyer: „Hoffentlich ist unsere Initiative auch ein Anstoß für andere Teams, die Augen aufzuhalten und wachsam zu sein.“

HFV-Funktionäre sichteten das Material und entschieden: Osterbek 3 darf bis auf weiteres nicht am Spielbetrieb der Leistungsklasse B, Staffel III, teilnehmen. Eine Untersuchung soll klären, ob der Verein von Neonazis unterwandert ist.

Das weist die 1. Mannschaft des Bramfelder Clubs entschieden zurück. In einer Stellungnahme distanziert sich das Team von den Kollegen der 3. Mannschaft. Wörtlich und unmissverständlich heißt es: „Es kotzt uns an, dass ein paar wenige Vollidioten unseren Verein in ein dermaßen schlechtes Licht rücken konnten ... Fussball ist bunt – ihr seid Scheiße!“ Sie fordern den Vereinsvorstand auf, vehement gegen die „rechten Spinner“ vorzugehen.

Tatsächlich reagierte die Vereinsführung prompt. Fünf der mutmaßlichen Nazi-Fans sind inzwischen ausgeschlossen worden, ihre wurden Spielerlizenzen einbehalten.

Den Hamburger Fußball Verband trifft der Fall um so härter, als laut Geschäftsführer Marschner bisher keine rechtsradikalen Auswüchse auf Amateurplätzen der Stadt bekannt waren. Wegen des hohen Migrantenanteils in der Metropole, so glaubt Marschner, sei Ausländerfeindlichkeit im Hamburger Fußball kein Thema.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Sep.2014 | 12:38 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen