Mögliche Hinweise über sexuelle Übergriffe : NDR prüft Unterlagen über Regisseur Dieter Wedel

Der damalige Festspiel-Intendant Dieter Wedel (r.) und der künstlerische Leiter der Festspiele, Joern Hinkel bei der Programmvorstellung der Festspiele in Bad Hersfeld im November 2017.
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Der damalige Festspiel-Intendant Dieter Wedel (r.) und der künstlerische Leiter der Festspiele, Joern Hinkel bei der Programmvorstellung der Festspiele in Bad Hersfeld im November 2017.

Der NDR regiert auf die Vorwürfe gegen den Regisseur – und könnte Filme von ihm aus dem Programm nehmen.

shz.de von
25. Januar 2018, 20:33 Uhr

Hamburg | Nach den Vorwürfen gegen Regisseur Dieter Wedel sichtet der Norddeutsche Rundfunk seine Unterlagen auf mögliche Hinweise über sexuelle Übergriffe. „Derzeit wird geprüft, ob sich in den Produktionsunterlagen von damals Hinweise auf entsprechende Vorkommnisse im Zusammenhang mit Wedel-Produktionen finden“, sagte ein NDR-Sprecher. Zu der Frage, ob der NDR Produktionen von Dieter Wedel wieder ins Programm nehmen werde, sagte der Sprecher, für eine abschließende Bewertung sei es zu früh.

Zuvor hatte der Saarländische Rundfunk (SR) mitgeteilt, dass er die eigene Reaktion auf 1981 erhobene Vorwürfe wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe umfassend aufarbeiten wolle. Es geht um Dreharbeiten für die Fernsehserie „Bretter, die die Welt bedeuten“, die von der damaligen SR-Tochterfirma Telefilm Saar (TFS) produziert wurde. „Schon jetzt steht fest, dass sich die TFS und der SR 1981 nicht richtig verhalten haben“, teilte der Sender mit.

Die damals für die Serie engagierte Schauspielerin Esther Gemsch hatte in der Wochenzeitung „Die Zeit“ einen Vergewaltigungsversuch geschildert, bei dem Wedel sie 1980 gewürgt haben soll. Sie habe dabei Verletzungen erlitten, weshalb sie ihre Rolle nicht habe weiterspielen können. Die Dreharbeiten gingen danach mit Schauspielerin Ute Christensen weiter, die nach eigener Aussage von Wedel sexuell belästigt, schikaniert und gedemütigt worden sei.

Wedel hatte am Montag von einer „diffamierenden Diskussion“ um seine Person gesprochen. Wedels Anwalt Michael Philippi sagte der ARD-„Tagesschau“ zur Berichterstattung der „Zeit“, einige Zeugen seien nicht mehr am Leben, außerdem könne Wedel wegen seiner Gesundheitsprobleme derzeit nicht Stellung beziehen. „Das halte ich ethisch nicht für verantwortbar, und ich halte es zudem auch rechtlich für unzulässig.“

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