Russischer Anarcho-Künstler : Nackedei-Stillleben mit Elbphilharmonie

Andrey Kuzkin steht Kopf.
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Andrey Kuzkin steht Kopf.

Ein halbe Stunde verharrte der Performance-Künstler Andrey Kuzkin kopfüber bei frostigen Temperaturen vor der Elphi aus.

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08. Februar 2018, 17:31 Uhr

Hamburg | Der russische Konzeptkünstler Andrey Kuzkin hat sich Donnerstag vor der Kulisse des Konzerthauses unbekleidet und kopfüber in die Erde eingegraben. Bei einer Außentemperatur von minus zwei Grad hatte der Moskauer die wichtigsten Stellen des Körpers mit Fett gegen die klirrende Kälte geschützt. Insgesamt steckte der 38-Jährige am Vormittag etwa eine halbe Stunde mit dem Oberkörper in einem selbst gebuddelten Loch. „Ich fühle mich nicht so verloren in der Welt, wenn ich so etwas mache“, erklärte der Moskauer seine verblüffende Aktion. Er wolle sein wie ein Baum.

Die Elphi-Pose war der 54. Teil in Kuzkins Aktionsserie „Phenomenon of Nature or 99 Landscapes with Trees“, in deren Verlauf er schon in London, Sibirien und vielen anderen Orten nackt Kopfstand machte. Auch in Hamburg war der Russe 2015 im Rahmen des „Nordwind“-Festivals in dieser Rolle an der Binnenalster zu sehen.

Kunst in Anlehnung an den früh verstorbenen Vater

Für seinen Elphi-Auftritt musste der „Anarcho“-Künstler kräftig schuften. Mit Spitzhacke und Spaten mühte er sich mehr als eine halbe Stunde ab, bevor er die insgesamt drei Löcher für den Oberkörper und die beiden Schultern in den gefrorenen Sandboden am Strandkai gegraben hatte. Dann legte Kuzkin Cargojeans, Pullover und Unterwäsche ab. Um unterhalb der Erde Luft zu bekommen, nutzte er eine Art Schnorchel.

War ihm nicht kalt bei der winterlichen Perfomance? „Nein, mir geht‘s gut“, strahlte der Mann im Adamskostüm unverdrossen. Mit seiner Art von Kunst wolle er an die Arbeit seines früh gestorbenen Vaters anknüpfen, der zu Sowjetzeiten in Untergrundzirkeln aktiv war. Es gehe ihm darum, Widerstand gegen gängige Interpretationen und Klassifizierungen zu leisten.

Warum hat sich Kuzkin dafür die Elphi als Begleitung ausgesucht? „Ach, das hat mir mein Kurator empfohlen“, gesteht der Kopfstand-Nackte unverblümt. „Ich kannte die Elbphilharmonie bis vor Kurzem gar nicht.“ Aber wenn er sie so ansehe, blinzelte der bärtige Russe in die Februarsonne, könne er sagen: „Sie sieht ungewöhnlich aus, aber schön.“

Andrey Kuzkin ist am Freitag auf Kampnagel Gast in der russisch-deutschen Talkshow „Neue Welt“. Thema: „Härte und Disziplin“, Beginn ist um 19 Uhr.

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