Volkspetition gestartet : „Nachts ist Ruhe!“ – Fluglärmgegner in Hamburg holen BUND an ihre Seite

Sie können es nicht mehr hören: Flughafenanwohner protestierten im Terminal 1 für ein striktes Nachtflugverbot in Hamburg und Umland. Links: BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch.
Foto:

Sie können es nicht mehr hören: Flughafenanwohner protestierten im Terminal 1 für ein striktes Nachtflugverbot in Hamburg und Umland. Links: BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch.

Der Umweltverband fordert „Fairness“ für etwa 100.000 Flughafen-Anwohner in Hamburg und im Umland.

shz.de von
01. März 2017, 18:11 Uhr

Hamburg | Das wird im Senat aufhorchen lassen - vielleicht sogar Besorgnis auslösen: Hamburgs bislang weitgehend erfolglose Fluglärmgegner haben sich einen starken Verbündeten an die Seite geholt. Der kampferprobte Umweltverband BUND hat sich des Themas angenommen und einen eigenen Arbeitskreis Luftverkehr gegründet. Der ist am Mittwoch in die Offensive gegangen und hat am Flughafen eine Volkspetition für ein striktes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr gestartet. Zwei Dutzend Lärmbetroffene forderten im Terminal 1: „Nachts ist Ruhe!“

Das Thema ist emotional und politisch aufgeladen. Anwohner und Flughafen-Betreiber streiten seit Jahren über Gesundheitsrisiken durch Fluglärm. Verschiedene Studien belegen die Gefahr von Gefäßschäden und langfristigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Andere kommen zum Ergebnis, dass Fluglärm zwar das Depressionsrisiko erhöhe, aber keinen Effekt auf den Blutdruck habe.

Bisher gilt am Schmidt-Airport an sieben Tagen der Woche ein regulärer Betrieb von 6 bis 23 Uhr; verspätete Jets dürfen bis 24 Uhr starten und landen. Die Zahl der Flüge nach 22 Uhr steigt seit Jahren an, von rund 5000 im Jahr 2011 auf 7000 im vergangenen. „Es gibt ein Grundrecht auf körperliche und seelische Unversehrtheit, aber kein Recht auf Mobilität zu jeder Tag- und Nachtzeit“, befand BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch. Der versierte Naturschutz-Lobbyist und sein Verband haben dem Senat bei Umweltthemen mehrfach schmerzliche Niederlagen zugefügt, vor allem bei der Elbvertiefung und in Sachen Luftreinhaltung. Nun fordert der BUND „Fairness“ für etwa 100.000 Flughafen-Anwohner in Hamburg und im schleswig-holsteinischen Umland. Ihnen drohten durch Lärm Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen sowie Konzentrationsprobleme bei Schulkindern. Um die Situation zu entspannen, fordert die Petition zusätzlich ein verlängertes Nachtflugverbot an Sonn- und Feiertagen zwischen 22 und 8 Uhr.

Kommen in Hamburg 10.000 Unterstützer für die Petition zusammen, muss sich die Bürgerschaft mit dem Anliegen befassen. Dass sich im Landesparlament eine Mehrheit für schärfere nächtliche Flugbeschränkungen findet, ist freilich extrem unwahrscheinlich. Rot-Grün beharrt auf der Betriebszeit bis 23 Uhr und Verspätungsausnahmen bis 24 Uhr, verspricht aber anderweitige Entlastungen. Die Koalition verweist auf ihren 16-Punkte-Plan für besseren Fluglärmschutz. Zuletzt hatten die Fraktionen eine Reduzierung der störenden Flachstarts angekündigt.

Viele Airport-Anrainer halten den 16-Punkte-Maßnahmen ebenso wie die Pünktlichkeitsoffensive des Flughafens für wirkungslos und reine Kosmetik. „Die Interessen der Lärmbetroffenen werden weiterhin ignoriert“, sagte Martin Mosel, als Sprecher der Bürgerinitiative Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) bekanntester Kämpfer für einen leiseren Flughafen in der Region. Inzwischen ist Mosel auch Sprecher des Arbeitskreises Luftverkehr in dem Umweltverband. Er glaubt: „Die Zusammenarbeit mit dem BUND verleiht unserer Bewegung mehr Schlagkraft.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen