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Künstlerin aus Hamburg : Nach U-Bahn-Jam und Youtube-Hit geht Kiddo Kat auf Tournee

vom

Eine Jam-Session in der Frankfurter U-Bahn machte die Hamburgerin berühmt. Die Tournee beginnt am 2. Juni in Hamburg.

shz.de von
erstellt am 29.Apr.2016 | 13:45 Uhr

Der Überraschungserfolg mit einem Musikvideo im Internet hat einer jungen Musikerin aus Hamburg eine Tournee beschert. Die 25-jährige Anna Guder hatte vor zwei Wochen das Handy-Video von einer spontanen Jam-Session mit der Musikerin Heidi Joubert und einem Rapper aus Malta in einer Frankfurter S-Bahn ins Netz gestellt. Seither wurde das Video bei Facebook mehr als 70 Millionen Mal angeklickt. Jetzt hat eine Konzertagentur eine Kurz-Tournee arrangiert.

So richtig kann sich Guder - Künstlername „Kiddo Kat“ - den Erfolg des Videos nicht erklären, aber: „Ich glaube, dass es daran liegt, dass es echt ist.“ Die Tournee beginnt am 2. Juni in Hamburg.

Sie ist Berlinerin, 25 Jahre alt, 2013 Sommer-Popkurs an der Musikhochschule, der Liebe wegen in Hamburg geblieben. Ihr Freund ist Philipp Weihe, der Sohn des Gitarristen, Produzenten und Dozenten des Popkurses, Peter Weihe. „Hamburg ist spannend, nicht so anonym wie Berlin, man kommt schneller in die Musikszene rein“, hat Anna Guder festgestellt. „Und Berlin ist voll Elektro-lastig“, sagt die Musikerin, „nicht meine Musik.“

Sie schreibt, arrangiert und spielt Funk, Groove, R&B. „Als ich klein war, dachten meine Eltern, ich wäre taub, weil ich immer so nahe am Lautsprecher saß.“ Der Ohrenarzt habe die Eltern aber beruhigt. „Alles in Ordnung, die mag einfach nur Musik.“ Der Auslöser, selbst Musik zu machen, war ein Kinofilm, sagt sie.

Damals, mit 13 oder 14, habe sie mit ein paar Freundinnen „Freaky Friday“ gesehen. „Gleich nach dem Film haben wir unsere Band gegründet. Ich wollte eigentlich Schlagzeug spielen, aber meine Freundin war schneller.“ Und jetzt das.

Die S-Bahn-Geschichte ist fast zu schön, um wahr zu sein. Vor gut zwei Wochen ist Anna auf einer Musikmesse in Frankfurt, führt dort Instrumente vor. Dort lernt sie Heidi Joubert kennen. Die Südafrikanerin lebt in London und spielt Cajon, grob gesagt eine Kistentrommel. Auf dem Weg ins Hotel machen sie in der S-Bahn das, was sie den ganzen Tag gemacht haben: Musik. „Wir waren so im Flow.“ Ein Kollege filmt die Session mit dem Handy. Das i-Tüpfelchen des Videos ist dann der Fahrgast, der plötzlich textsicher mitsingt.

Später stellt sich heraus, dass es der Rapper Ozzy Lino aus Malta ist, der ebenfalls von der Musikmesse kommt. Die Passagiere jubeln.

Aber bald kommt das Gerücht auf, ein Instrumentenhersteller habe alles inszeniert. „Alles Quatsch.“ Also tatsächlich ein Zufall? Anna nickt heftig. „Das kannst du nicht faken. Das ist ein echter Moment, und ich glaube, das sieht man auch.“ Facebook bestätigt die Klickzahl, 70 Millionen, die das Video länger als drei Sekunden angeschaut haben. „Das sind sensationell viele“, sagt eine Sprecherin. Stars wie Beyoncé haben oft deutlich weniger.

Und YouTube-Sprecher Henning Dorstewitz ergänzt anerkennend: „70 Millionen - das passiert nicht vielen Videos.“ Als Star fühlt sich Anna Guder trotzdem nicht. „Ich geh' hier nicht über die Straße und jeder kreischt - ich bin nicht Beyoncé.“ Vor ein paar Tagen war sie bei ihren Eltern, „das erdet“.

Jetzt geht Anna erstmal auf Kurz-Tournee. Und später wollen Anna, Heidi und Ozzy auf jeden Fall auch mal zusammen etwas auf die Beine stellen, „eine Session oder eine kleine Platte“. Im Moment scheint nichts unmöglich in Annas Welt.

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