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Rocker in Hamburg : Nach Flucht: Haftbefehl gegen Ex-Mongols-Boss wieder in Kraft - Polizei fahndet

vom
Aus der Onlineredaktion

Der ehemalige Chef des Hamburger Motorradclubs Mongols ist auf der Flucht. Erst vergangene Woche wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

shz.de von
erstellt am 30.Jun.2016 | 18:07 Uhr

Hamburg | „Keine Fluchtgefahr“ - mit dieser Einschätzung lag der Hamburger Amtsrichter offenbar voll daneben. Er hatte den ehemaligen Chef der Hamburger Mongols in der vorigen Woche zwar zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, den Haftbefehl gegen Erkan U. (37) aber zunächst außer Vollzug gesetzt. Der nutzte nun seine Freiheit aus, um abzutauchen. Ein Polizeisprecher bestätigte, dass sich U. entgegen der richterlichen Auflage nicht zweimal pro Woche bei der Polizei gemeldet habe. „Es laufen Fahndungsmaßnahmen“, so der Sprecher. Wo sich der Gesuchte aufhält, ist unbekannt. Nicht ausgeschlossen, dass er sich in sein Heimatland Türkei abgesetzt hat. Der Haftbefehl ist nach Angaben eines Gerichtssprechers bereits seit Freitag vergangener Woche wieder in Kraft.

Die Mongols und die Hells Angels kämpfen seit Monaten in Hamburg um die Macht im Rotlichtmilieu. In Schleswig-Holstein sind die Hells Angels Flensburg und Kiel sowie die Bandidos Neumünster verboten. Seitdem ist es etwas ruhiger im Land

Hintergrund der Flucht könnte die Angst von Erkan U. vor Rache im Gefängnis sein. Unter seiner Führung hatten die Mongols den Hells Angels im vorigen Jahr die Vorherrschaft über Rotlichtgeschäfte in Hamburg streitig gemacht. Es kam zu blutigen Angriffen von beiden Seiten mit mehreren Verletzten. Im Mittelpunkt immer wieder: Erkan U. Im Oktober 2015 explodierte unter seinem Lamborghini eine Handgranate. Auch hatte er seine Truppe in Mongols-Kutten auf der Reeperbahn aufmarschieren lassen – eine denkbar große Demütigung der Hells Angels in deren Revier. Der verurteilte Rockerchef befürchtet nun womöglich, die Höllenengel könnten hinter Gittern Vergeltung üben, wenn er die Haft antritt.

Tatsächlich sind die Streitigkeiten zwischen den Gangs in der Hansestadt zuletzt wieder aufgeflammt. In Schnelsen waren Mitte Juni der ehemalige Vizechef der Mongols und seine Freundin von einem Unbekannten niedergeschossen worden. Der Verletzte trug die Tätowierung „Fuck the Hells Angels“ - mögliches Motiv für den Angriff, den Beobachter der rivalisierenden Gruppe zurechnen.

Erkan U. war am 21. Juni vom Amtsgericht wegen illegalen Waffenbesitzes und Rauschgiftvergehen zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Einschließlich einer Vorstrafe dürften dem 37-Jährigen rund drei Jahre Gefängnis bevorstehen, sollte die nächste Instanz den Schuldspruch bestätigen.

Im Prozess hatte sich der gefürchtete Mongols-Anführer reumütig und handzahm präsentiert. Sogar seine Gesichts-Tattoos mit dem Kürzel MFFM („Mongols Forever – Forever Mongol“) wolle er sich entfernen lassen, hatte der Angeklagte vor dem Richter beteuert. Er beabsichtige, in der Eifel ein bürgerliches Leben zu beginnen.

Der Amtsrichter sagte in der Urteilsbegründung, es bestehe „eine Gefahr für die Allgemeinheit, wenn koksende Rocker mit einer scharfen Waffe unterwegs sind“. Fluchtgefahr mochte er gleichwohl nicht zu erkennen und schickte den Verurteilten einstweilen nach Hause. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft betonte gestern, der Anklagevertreter habe dies anders eingeschätzt.

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