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Chaos Communication Congress in Hamburg : Nach Anschlag in Berlin: CCC warnt vor Ausweitung der Videoüberwachung

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Vermehrte Videoüberwachung hätte den Anschlag von Berlin nicht verhindert, sagt CCC-Sprecher Neumann.

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2016 | 16:55 Uhr

Hamburg | Nach dem Terroranschlag in Berlin hat der Chaos Computer Club (CCC) vor einer Ausweitung der Videoüberwachung auf Straßen und Plätze gewarnt. Das Ergebnis wäre ein großes vernetztes System, das eine Vollüberwachung aller Menschen in der Öffentlichkeit ermöglichen würde, sagte CCC-Sprecher Linus Neumann am Dienstag am Rande des 33. Chaos Communication Congress in Hamburg. In England sei diese Entwicklung mit der Verbindung einzelner Geräte schon jetzt erkennbar. „Dann wäre die Vollüberwachung, die wir im Internet schon haben, auch in der Öffentlichkeit Realität.“

Der Chaos Communication Congress ein mehrtägiges, vom Chaos Computer Club (CCC) ausgerichtetes, Treffen der internationalen Hackerszene. Bei der diesjährigen Veranstaltung im Hamburger Kongresszentrum werden rund 12.000 Teilnehmer erwartet. Bis zum 30. Dezember widmet sich der Kongress in zahlreichen Vorträgen und Workshops neben aktuellen Problemen wie Cyberangriffen oder Datenklau auch dem Thema Rechtspopulismus, zu dem mehrere Vorträge angesetzt sind.

Der CCC hatte seinen Hackerkongress - den größten dieser Art in Europa - mit einem Aufruf zum gemeinsamen Vorgehen gegen Hass und Ignoranz eröffnet. Die Bloggerin Anna Biselli forderte die 12.000 Teilnehmer dazu auf, sich zu vernetzen und gemeinsam für eine bessere Welt einzutreten (hier geht es zum 33C3-Live-Stream). Man könne sich nicht „unter einer gemütlichen Decke verstecken“, sagte sie. Die Freiheiten der Menschen würden zunehmend eingeschränkt, kritisierte sie. „Versucht das nächste Jahr zu einem besseren zu machen.“

Zu einem schnellen gemeinsamen Handeln rief auch CCC-Sprecher Neumann in Sachen Videoüberwachung auf. Bei einer vernetzten Vollüberwachung könnten Behörden in Verbindung mit neuer Software zur Gesichtserkennung erfassen, wer sich wann an welchem Ort aufhalte und mit wem getroffen habe. „Das ist nicht das, was wir in einer Demokratie wollen“, sagte er. „Wenn wir das einmal haben, gibt es kein Entkommen mehr - deswegen müssen wir es bekämpfen, bevor es entsteht.“ Die Veranstalter hatten auch Whistleblower Cian Westmoreland nach Hamburg eingeladen, der deutliche Kritik an der Bundesregierung übte.

Nach Ansicht des ehemaligen Technikers der US-Luftwaffe trägt Berlin eine Mitverantwortung für die umstrittenen Drohnenangriffe der USA. Datensammlung und -übermittlung für diese Angriffe hätten ihr Zentrum auf dem pfälzischen US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein und damit auf deutschem Boden. Damit sei die deutsche Regierung „mitschuldig an allem, was wir tun“.

Aktivistin Elisa Lindinger, die in der Open Knowledge Foundation für freies Wissen eintritt, sprach mit Bezug auf das Kongressmotto „Works for Me“ (funktioniert für mich) von einer Welt voller Fehler. Nichts scheine mehr zu funktionieren. Statt mit den Ideen einer vernetzten Welt sei man konfrontiert mit Isolation, Depression und Hass. Die Veranstalter wollen mit dem diesjährigen Motto eine typische Haltung von Software-Entwicklern, aber auch anderen Gruppen infrage stellen: Wenn für sie selbst etwas funktioniert, kümmern sie sich nicht weiter um mögliche Probleme.

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