„Hamburger Morgenpost“ : Nach Anschlag auf „Mopo“: Verdächtige frei

Das Gebäude der „Hamburger Morgenpost“.
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Das Gebäude der „Hamburger Morgenpost“.

Nach Veröffentlichung von Mohammend-Karikaturen: Brandstifter legten ein Feuer im Archiv der „Hamburger Morgenpost“. Zwei Männer wurden festgenommen. Die „Mopo“ erfährt eine Welle der Solidarität.

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12. Januar 2015, 15:27 Uhr

Hamburg | Einen Tag nach dem Brandanschlag auf die „Hamburger Morgenpost“ rätseln die Ermittler weiter über die Hintergründe. Zwei kurz nach der Tat festgenommene Männer wurden wieder freigelassen. „Ein Tatverdacht konnte letztlich auch nach ersten kriminaltechnischen Untersuchungen nicht erhärtet werden“, teilte eine Polizeisprecherin am Montag mit.

Die beiden 35 und 39 Jahre alten Männer waren am frühen Sonntagmorgen vor der Polizei geflohen und anschließend in einer S-Bahn am Bahnhof Altona festgenommen worden. In ihren Vernehmungen durch Kriminalbeamte des Staatsschutzes hätten sie bestritten, etwas mit der Brandstiftung zu tun zu haben. Nach einer erkennungsdienstlichen Behandlung seien sie entlassen worden, hieß es weiter. Unbekannte hatten am frühen Sonntagmorgen von einem Hinterhof aus mehrere Steine und mindestens einen Brandsatz in das Archiv der Boulevardzeitung geworfen. Akten gerieten in Brand, die Feuerwehr konnte ein Ausbreiten der Flammen aber verhindern.

Nach dem Brandanschlag auf das Archiv der Hamburger Morgenpost lagen verbrannte Dokumente vor dem Verlagshaus.
Foto: dpa/Archiv
Nach dem Brandanschlag auf das Archiv der Hamburger Morgenpost lagen verbrannte Dokumente vor dem Verlagshaus.

Die Tat sorgte für Beunruhigung in Hamburg. Die „Mopo“ hatte nach dem Terroranschlag in Paris islamkritische Karikaturen des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ auf ihrer Titelseite mit der Schlagzeile nachgedruckt: „So viel Freiheit muss sein!“. Daraufhin hatte sie nach eigenen Angaben Drohungen und Hass-Mails bekommen. Am Montag titelte das Blatt trotzig: „Wir bleiben Mopo!“ Die Hamburger Polizei hatte am Sonntag nicht ausgeschlossen, dass der Anschlag auf die „Mopo“ im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Ereignisse in Frankreich steht.

So berichtet die Hamburger Morgenpost über den Anschlag.

Die kriminaltechnischen Untersuchungen dauerten am Montag noch an. DNA-Untersuchungen könnten noch einige Zeit in Anspruch nehmen, hieß es. Die Ermittler baten mögliche Zeugen erneut um Hinweise. „Es gibt keine heiße Spur“, sagte die Polizeisprecherin. Auch ein Bekennerschreiben sei nicht aufgetaucht.

Die Zeitung erhielt auch am Montag noch Solidaritätsadressen von Politikern und Verbänden. „Gewalt darf in Deutschland kein Mittel der Auseinandersetzung mit missliebigen Meinungen oder Veröffentlichungen werden“, sagte der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr. „Gewalt gegen Redaktionen ist immer auch ein Anschlag auf die Presse- und Meinungsfreiheit und damit auch auf eine demokratisch verfasste Gesellschaft“, erklärte die Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Marina Friedt.

Zahlreiche Menschen - auch aus dem Ausland - sowie Hamburger Parteien und Medien bekundeten ihre Solidarität mit dem Blatt. Die Landespressekonferenz (LPK) bezeichnete die Tat als „feigen und hinterhältigen Terrorakt gegen die Pressefreiheit“. Die Kollegen der „Mopo“ könnten sich der Solidarität aller Journalisten in Hamburg sicher sein, erklärte der LPK-Vorsitzende Jürgen Heuer. „Die Medien werden sich nicht einschüchtern lassen.“

EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos sagte in Brüssel, dieser neue Angriff unterstreiche, dass umfassender Respekt für die Meinungs- und Pressefreiheit nötig ist. „Wir werden unsere Werte verteidigen.“ CDU-Landeschef Marcus Weinberg erklärte, wer die „Mopo“ angreife, greife die ganze Stadt Hamburg an. Sollte sich herausstellen, dass der Anschlag im Zusammenhang mit der Abbildung der „Charlie Hebdo“-Karikaturen stehe, „wäre dies eine neue Entwicklung der Gewalt in unserer Stadt“. Die Hamburger Grünen-Chefin Katharina Fegebank twitterte: „Was ist bloß mit der Welt los? Brandanschlag auf @mopo. Kann es nicht glauben. Bleibt stark!“ Auch die Linkspartei drückte ihre Solidarität mit dem Boulevardblatt aus. Die Zeitung selbst dankte im Internet den Menschen für ihre „Rückendeckung“. Im Laufe des Tages wollte die Chefredaktion eine Stellungnahme abgeben.

Obwohl noch völlig unklar ist, ob ein Zusammenhang zu den Pariser Ereignissen besteht, findet die Tat sogleich europaweit Beachtung. Auf Twitter häufen sich Solidaritätsbekundungen aus Frankreich, Italien und anderen Ländern für die Hamburger Zeitung. „Je suis aussi le Morgenpost - Ich bin auch Morgenpost“, heißt es in einem Tweet in Anlehnung an den Slogan „Je suis Charlie“.

Die Polizei sucht nach Zeugen. Hinweisgeber werden gebeten, sich an das Landeskriminalamt unter 040-428656789 zu wenden, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei Hamburg.

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