zur Navigation springen

Olympia-Gegner aus Hamburg : (N)Olympia: Bis zu 20 Milliarden Euro für drei Wochen Olympia

vom

Die Olympia-Kritiker hat die Entscheidung des DOSB-Präsidiums nicht überrascht. Ein Interview mit (N)Olympia-Initiator Dirk Seifert.

shz.de von
erstellt am 17.Mär.2015 | 07:02 Uhr

Hamburg | Hamburg hat den Zuschlag des DOSB-Präsidiums als deutscher Kandidat für Olympische Spiele 2024 oder 2028 bekommen. Bevor die DOSB-Mitgliederversammlung am Samstag in der Frankfurter Paulskirche zustimmen kann, warnen Kritiker vor den Folgen. Der Hamburger (N)Olympia-Chef Dirk Seifert sagte im Interview der Deutschen Presse-Agentur, der DOSB habe eine große Chance vertan.

Herr Seifert, schmerzt die Empfehlung des DOSB-Präsidiums für Hamburg?

Der DOSB hat eine große Chance vertan. Er hätte sich in Ruhe auf eine Bewerbung 2028 mit neuer Konzeption vorbereiten können. 2024 ist nach Lage der Dinge nicht Europa an der Reihe. Warum jetzt Hektik, die nicht notwendig ist?

Bei einer Niederlage wird ein neuerlicher Anlauf vier Jahre später erfahrungsgemäß eher honoriert. Handelt der DOSB also nicht richtig?

Nein. Das ist eine schlechte Logik. Wir wollen doch ein neues Olympia. Wenn das IOC tatsächlich eine tiefgreifende Veränderung will, wie es behauptet, dann kann es einen Bewerbungsmarathon, der Geld und andere Ressourcen kostet, nicht ernsthaft wollen.

Das IOC unter Thomas Bach will sich vom olympischen Gigantismus der früheren Jahre verabschieden. Zweifeln Sie daran?

Das sind große Worte wie aus einer Marketingabteilung. Konkret ist das alles nicht. Der Gigantismus wird weiter betrieben. Es gibt akuten Bedarf, Olympische Spiele neu zu erfinden.

Was wäre der Vorteil, sich nur für 2028 zu bewerben?

Wir hätten mehr Zeit für eine durchdachte Planung, für eine tiefgreifende Analyse, für ausgiebige Diskussionen in der Bevölkerung. Jetzt muss schnell eine Volksbefragung her und zunächst die dafür notwendige Gesetzesgrundlage geschaffen werden. Das muss bis September passieren. So wird unnötiger Druck erzeugt.

Würde die Stadt Hamburg nicht ungemein profitieren von Olympia?

Den Menschen muss erklärt werden, dass ihre Stadt für viele Jahre komplett umgebaut wird. 10 bis 20 Milliarden Euro werden ausgegeben für drei Wochen Olympia. Es kommen unglaublich hohe Mieten auf die Menschen zu. Nachdem der DOSB eine Vollklatsche mit München bei der Bewerbung um Winterspiele erlitten hat, hätte er sich eigentlich so schnell nicht mehr auf den Weg gemacht. Aber der Druck aus der Wirtschaft ist immens groß geworden. Durch diese Eile werden tatsächliche Reformen blockiert.

Welche Schritte planen Sie demnächst?

Wir wollen die Kosten wissen und das diskutieren. Am 11. April haben wir ein Treffen, wo es um die Mietenspirale, um die Entwicklung öffentlicher Räume gehen wird. Es haben sich schon im Vorfeld Lehrergewerkschaft und Umweltverbände kritisch geäußert, andere kommen hinzu.

Dirk Seifert ist Initiator und Sprecher des (N)Olympia-Blogs. Seit 2014 ist er stellvertretender Sprecher des Arbeitskreises Atom und Strahlenschutz der Umweltschutzorganisation BUND sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel (Die Linke). Zuvor war er lange Energiereferent bei der Umweltorganisation Robin Wood.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen