Hamburg : Mutter spritzt Sohn Urin und Kot: Vater des Kindes bei Spiegel-TV

Eine Mutter soll ihrem eigenen Kind verseuchte Infusionen gespritzt haben.
Eine Mutter soll ihrem eigenen Kind über mehrere Jahre verseuchte Infusionen gespritzt haben.

Eine Mutter soll ihr Kind mit Infusionen krank gemacht haben. Im September beginnt der Prozess. Nun spricht der Vater des Jungen über die Geschehnisse.

shz.de von
13. Juli 2015, 14:35 Uhr

Hamburg | Die Geschichte sorgte deutschlandweit für Fassungslosigkeit: Eine Mutter soll ihrem Kind über mehrere Jahre eine Mischung aus Urin, Speichel und Kot gespritzt haben. Der Junge erkrankte schwer, schwebte sogar für kurze Zeit in Lebensgefahr. Die Ärzte standen vor einem Rätsel, sie vermuteten Leukämie. Der Zustand des Kindes verschlechterte sich, etwa ein halbes Jahr wurde es im Uniklinikum Eppendorf behandelt. Dann stellt sich heraus: Die Mutter spritzte dem Jungen verseuchte Infusionen. Daraufhin kam sie in psychiatrische Behandlung, die Staatsanwaltschaft Hamburg erhob Anklage.

In der Sendung Spiegel-TV am Sonntagabend berichtet der Vater des Kindes über die Ereignisse. Als die Ärzte die verseuchten Infusionsflaschen im Krankenzimmer finden, stellen sie die 30-jährige Mutter zur Rede. Dem Vater ist schnell klar, dass sie etwas damit zu tun hat: „Irgendwann merkte ich, warum sagt die nichts? Und da habe ich mich zu ihr umgedreht und da wusste ich sofort: Sie hat das getan. Ich konnte es nicht glauben. Ich habe sie gefragt: Warum?“. Dem Mann fällt es sichtlich schwer über den Vorfall zu sprechen. Später stellt er fest, dass seine Frau die Krankheitsgeschichte ihres Sohnes auf zahlreichen Bildern dokumentierte, zum Teil sogar den venösen Zugang an der Hand fotografierte.

Auch die Schwiegereltern der Frau bemerken nichts Auffälliges und bewunderten die Mutter für ihre Fürsorge: „Sie war eine perfekte Mutter, sie war immer nur für die Kinder da, hatte sie ständig unter Kontrolle“, sagt die Großmutter des Jungen in dem Interview. Die Mutter habe sogar die Krankenschwestern unterstützt. In einem Brief an den Vater gibt die Verdächtige ihre Taten zu. „Unter anderem hat sie darin geschrieben, dass sie abgestandenes Wasser, Brackwasser, Spucke, verdünnten Kot und verdünnten Urin gespritzt hat“, sagt der Vater im Interview. Er habe auf den Brief nicht geantwortet, den Kontakt daraufhin abgebrochen und sich schließlich scheiden lassen.

Der Prozess gegen die 30-Jährige beginnt am 21. September vor dem Hamburger Landgericht. Es wird vermutet, dass sie unter dem „Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom“ leidet, bei welchem die Betroffenen Krankheiten ihrer Kinder vortäuschen oder mutwillig herbeiführen, um Aufmerksamkeit für ihre Fürsorge zu erhalten. Die Anklage der Staatsanwaltschaft Hamburg lautet auf Misshandlung von Schutzbefohlenen, durch die das Kind in Lebensgefahr gebracht worden sei. Bei einer Verurteilung drohen der Mutter bis zu 15 Jahre Haft.

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