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Landgericht Hamburg : Mutter erstickt Baby - und erhebt Vorwürfe gegen Vater

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Eine 29-Jährige stapelt mehrere Decken auf ihren fünf Monate alten Sohn. Sie sagt: Der Vater habe ständig Geld gefordert.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Hamburg | Eine 29-jährige Mutter steht in Hamburg vor Gericht, weil sie ihr fünf Monate altes Baby unter Decken erstickt haben soll. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen den Vater des Kindes. Dieser habe ständig Geld von ihr gefordert, sagte die Angeklagte am Dienstag vor dem Landgericht Hamburg. Oft habe sie kein Geld mehr für Essen gehabt. Darum habe sie während der Schwangerschaft gelegentlich als Prostituierte gearbeitet Damit habe sie 100 bis 200 Euro an einem Tag verdient. Von dem Geld habe sie Nahrung und Dinge für das Baby gekauft. Ihr Freund habe von der Prostitution gewusst. Zu einem Freier habe sie Kontakt gehalten und gehofft, ihn am 7. November letzten Jahres zu treffen, nachdem ihr Freund zur Arbeit gegangen war. Der Mann habe aber abgesagt, da er krank sei.

In Hamburg wurden in den letzten Jahren einige Fälle von Kindesmisshandlung bekannt. Vor zwei Jahren starb die dreijährige Yagmur. Sie wurde von ihrer Mutter misshandelt. Im Dezember 2015 wurde der kleine Tayler zu Tode geschüttelt.

 

Auf Schuldunfähigkeit kann sich die Frau nicht berufen: In einem Zwischengutachten hat der Sachverständige festgestellt, die Angeklagte sei vermindert schuldfähig, sagte der Verteidiger der 29 Jahre alten Angeklagten, Claus-Philipp Napp, am Dienstag am Rande der Verhandlung vor dem Landgericht Hamburg. Sie sei demnach aber nicht völlig schuldunfähig.

Die Frau wiederholte auch ihre Aussage, wonach ihr Stimmen an dem 7. November letzten Jahres befohlen hätten, das Kind zu töten. „Töte das Kind, sonst wirst du nie glücklich sein“, beschrieb die Frau die Stimmen in einer von ihrem Anwalt verlesenen Erklärung. Sie habe das Baby würgen sollen, sich aber dagegen gewehrt, versicherte die 29-Jährige in der Befragung. Dann habe sie einen „Kurzschluss im Kopf“ gehabt.

Weil sich Max nicht beruhigen ließ, habe sie einige Decken über das schreiende Baby geworfen und sei dann ins Wohnzimmer gegangen, um Musik zu hören. Als sie nach 20 Minuten nach dem Kind gesehen habe, sei er wohl schon tot gewesen. Sie habe den Notarzt gerufen, aber es war schon zu spät.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 29-Jährigen Totschlag vor. Die Angeklagte hatte bereits zum Prozessauftakt über ihren Verteidiger erklärt, sie trage die Verantwortung für die Tat. Später hatte sie über Stimmen in ihrem Kopf berichtet. In einem Zwischengutachten wird laut Verteidigung nun festgestellt, dass die Angeklagte zwar vermindert schuldfähig, aber nicht völlig schuldunfähig ist.

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