Prozess in Hamburg : Mutmaßlicher Funktionär linker türkischer Terrorgruppe DHKP-C vor Gericht

Der Mann sitzt seit 2016 in Untersuchungshaft. Die USA und die Türkei hatten ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt.

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25. Januar 2018, 13:59 Uhr

Hamburg | Vor dem Oberlandesgericht in Hamburg hat am Donnerstag ein Prozess gegen einen mutmaßlichen Führungsfunktionär der linken türkischen Extremistengruppe DHKP-C begonnen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 56-Jährigen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor.

Die „Revolutionäre Volksbefreiungspartei/-front“ (DHKP-C) habe sich zu zahlreichen Anschlägen in der Türkei bekannt und ihre Kämpfer wiederholt für Selbstmordanschläge eingesetzt, hieß es in der Anklage. Der 56-Jährige habe sich unter anderem 2012 mit einem Mann getroffen, der sich am 1. Februar 2013 vor der US-Botschaft in Ankara in die Luft sprengte.

Der Angeklagte mit niederländischer Staatsangehörigkeit war am 2. Dezember 2016 in Hamburg festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die mehr als 50 Zuschauer im Gerichtssaal begrüßten den 56-Jährigen mit lauten Sprechchören. Sie ließen ihn hochleben und riefen: „USA - internationale Völkermordzentrale!“. Zuvor hatten rund 100 Menschen vor dem Gerichtsgebäude demonstriert.

Der Mann mit niederländischer Staatsangehörigkeit war am 2. Dezember 2016 in Hamburg festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Nach Angaben des Landesamtes für Verfassungsschutz hatten die USA ein Kopfgeld von drei Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt. Auch in der Türkei stand der 56-Jährige auf der Liste der meistgesuchten Terroristen. Die DHKP-C ist seit 1998 in Deutschland verboten.

Die Organisation wolle in der Türkei ein marxistisch-leninistisches Regime errichten und verfüge in Europa über eine Auslandsorganisation, die sie unter anderem zur Finanzierung ihrer Aktivitäten nutze, hieß es. Der 56-Jährige soll unter anderem Funktionäre der Organisation europaweit angeleitet und die Geldbeschaffung gesteuert haben. Er habe eng mit seiner Ehefrau zusammengearbeitet, die bereits Ende 2008 verhaftet und in Düsseldorf zu sechs Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

Gemeinsam hätten sie für den Nachschub an Waffen für die Kampfeinheiten der DHKP-C gesorgt. Der Angeklagte sei einer enger Vertrauter des Gründers der Organisation, Dursun Karatas, gewesen. Spätestens nach dessen Tod im Jahr 2008 sei der 56-Jährige Europaverantwortlicher der DHKP-C geworden. An einem Treffen, das der Angeklagte im Jahr 2012 organisierte, habe ein Mann teilgenommen, der sich am 1. Februar vor der US-Botschaft in Ankara in die Luft sprengte und eine Frau mit in den Tod riss.

Für den Prozess hat das Gericht 41 Verhandlungstermine bis zum 6. August angesetzt. Fünf Richter gehören zu dem Staatsschutzsenat, eine weitere Richterin verfolgt den gesamten Prozess passiv, um bei einer Erkrankung eines Kollegen einspringen zu können.

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