Festivalsommer 2018 : Musik und Kunst vereint im Dockville-Kosmos

Sonnenuntergang über dem Dockville Festival aus dem vergangenen Jahr

Sonnenuntergang über dem Dockville Festival aus dem vergangenen Jahr

Ende August findet auf der Elbinsel das Festival MS Dockville statt. Längst ist drum herum ein ganzer Kosmos entstanden.

shz.de von
21. Juli 2018, 12:44 Uhr

Hamburg | Voll konzentriert geht der rumänische Künstler Kitra oben auf der Leiter seiner Arbeit nach, setzt trotz der luftigen Höhe mit ruhiger Hand den Pinsel an. Bis Samstag muss sein Kunstwerk fertig sein, denn dann startet das MS Artville – jene Open Air Galerie, die im Rahmen des Dockville Festivals auf der Elbinsel in Wilhelmsburg stattfindet. Kitras Arbeit ist mit Abstand die größte: Ein hoher Holzturm, der an die Geschichte vom Turm von Babel erinnern und ausdrücken soll, dass Kunst über Landes- und Sprachgrenzen hinaus funktioniert. Seit zwei Wochen ist Kitra in Hamburg. „Das ist wie eine Insel hier“, sagt er. „Man kommt her und vergisst den Rest der Welt einfach.“ Besser könnte man den Geist des Dockville nicht in Worte fassen.

Künstler Kitra arbeitet an einer neuzeitliche Interpreation des Turms von Babel.
Nadine Wenzlick

Künstler Kitra arbeitet an einer neuzeitliche Interpreation des Turms von Babel.

 

Elf Jahre ist es her, dass das MS Dockville zum ersten Mal stattfand. Initiator Enno Arndt hatte damals die Vision von einem Festival, das Musik und Kunst vereint. Waren es im ersten Jahr noch 5.000 Besucher, kommen inzwischen rund 20.000 pro Festivaltag. Und überhaupt hat sich um das eigentliche Festival herum ein großer Kosmos entwickelt: Fast einen Monat lang wird das Gelände auf unterschiedlichste Weise bespielt, bevor im August alles im MS Dockville kulminiert. „Wir haben so viel Potenzial auf diesem wunderschönen Gelände“, sagt Janna Rath, Leitung Öffentlichkeitsarbeit und PR, „und wir sind alle so vielseitig interessiert, dass wir Spaß daran haben, verschiedene Spielarten auszuspielen.“

Janna Rath (Leitung Öffentlichkeitsarbeit PR) und Rudolf D. Klöckner (Kurator MS Artville)
Nadine Wenzlick

Janna Rath (Leitung Öffentlichkeitsarbeit und PR) und Rudolf D. Klöckner (Kurator MS Artville)

MS Artville

Los geht es an diesem Wochenende mit dem MS Artville. Zwischen dem 21. Juli und 11. August ist das Gelände jeden Dienstag, Mittwoch und Sonntag ab 14 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Die Besucher erwarten Bildende und Darstellende Kunst, Installationen, Performances, Malerei, Theater und Lesungen von über 20 Künstlern und Künstlerinnen aus Ländern wie Deutschland, Österreich, Frankreich, dem Iran und Argentinien. Im Rahmen von regelmäßigen stattfindenden Kunstführungen erfahren sie mehr über die Arbeiten.

Wie in den Vorjahren steht das MS Artville auch in diesem Jahr unter einer Art Oberthema. „Wir haben den 105. Stadtteil ausgerufen“, sagt Rudolf D. Klöckner, Kurator des MS Artville. „Offiziell hat Hamburg ja nur 104 Stadtteile – aber es gibt eben noch einen 105., und das ist der Freiraum für Kunst und Kultur, der hier über die letzten elf Jahre zu einem besonderen Kosmos erwachsen ist.“

Tatsächlich ist das Dockville-Gelände voll mit Installationen aus den Vorjahren, unter die sich nun die neuen Arbeiten mischen. Um sie anzufertigen, wohnen die Künstler zum Teil temporär hier – auch Cathrin Hoffmann, die  gerade die Rückwand von zwei Containern mit einem großen Bild bemalt. „Ich war letztes Jahr als freiwillige Helferin auf dem Dockville“, sagt die Grafikdesignerin. „Da ist bei mir der Knoten geplatzt und ich habe beschlossen, meine Kunst auf die Spur zu bringen.“ Noch so eine Besonderheit des Dockville: Etablierte Künstler treffen hier auf Newcomer, jeder kann sich für das MS Artville bewerben.

Slamville

Während das Artville also drei Wochen Kunst unter freiem Himmel präsentiert, finden auf dem Gelände noch allerhand andere Veranstaltungen statt. Hobbydichter kommen am 28. Juli bei dem Poetry-Slam-Festival Slamville auf ihre Kosten, eine Kooperation mit Kampf der Künste, dem europaweit größten Anbieter für Poetry Slam. Am 4. August geht es im Uferpark weiter mit dem eintägigen HipHop-Festival Spektrum, bei dem unter anderem Antilopen Gang, Megaloh, Trettmann, Bausa und Zugezogen Maskulin auftreten. Parallel finden auf dem angrenzenden Gelände der Vogelball statt, „ein queerer Maskenball, wobei es nicht Pflicht ist, sich zu maskieren“, so Janna Rath. „Es geht einfach darum, dass man kommen kann, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Dass man sein kann, was man möchte.“ Elektronisch wird es bei dem Sonntags-Open-Air Butterland, das am 5. August im Uferpark stattfindet. Musik kommt unter anderem von Lexy & K-Paul.

Dockville

Blick über das Dockville von 2017
Harry Hortstmann

Blick über das Dockville von 2017

 

Zum Abschluss folgt dann vom 17. Bis zum 19. August das eigentliche Dockville Festival. Zu den Höhepunkten des Programms gehören die britische Indie-Band Alt-J, die schwedischen Schwestern First Aid Kid mit ihrem wunderbaren Folk-Pop und Liedermacher Olli Schulz. „Es gibt bei uns aber immer auch tolle neue Künstler zu entdecken“, so Rath. „Dieses Jahr zum Beispiel Dennis Lloyd, der im Radio ja schon rauf und runter gespielt wird.“

Einziges Problem: Bei all den Veranstaltungen kann man schon mal durcheinander kommen. „Klar ist das viel“, grinst Rath. „Aber das sind alles verschieden geartete Veranstaltungen und jede hat ihre eigene Zielgruppe. Nicht nur musikalisch, sondern auch von den Interessen her ziehen sie unterschiedliche Leute an. Genau das ist das schöne. Jeder soll bei uns seinen Platz finden.“

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