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„Mogo“ im Michel in Hamburg : Motorradgottesdienst: 30.000 Biker erwartet, Straßen gesperrt

vom

Es ist der 33. Mogo in Hamburg. Dabei soll auch der verunglückten Motorradfahrer gedacht werden.

Hamburg | Es brummt wieder in Hamburg: Zum 33. Motorradgottesdienst im Hamburger Michel erwarten die Veranstalter am kommenden Sonntag rund 30.000 Teilnehmer. Nach dem eigentlichen „Mogo“ in der Kirche ist die traditionelle Fahrt im Konvoi über die A7 nach Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) geplant. Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) soll ein Grußwort sprechen. Das diesjährige Motto des Mogo lautet „Segen tanken!“ Im vergangenen Jahr waren 27.000 Biker gekommen. Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer müssen sich rund um den Michel und an der Strecke nach Kaltenkirchen auf gesperrte Straßen einstellen.

Motorradgottesdienst: Diese Straßen sind gesperrt

Sonntag, 12. Juni, findet um 12.30 Uhr der 33. Hamburger Motorradgottesdienst am Michel statt. Der Straßenzug Ludwig-Erhard-Straße/Willy-Brandt-Straße zwischen Holstenwall und Rödingsmarkt wird von 9 bis etwa  16 Uhr gesperrt.

Nach dem Gottesdienst wird der Konvoi über die A 7 nach Kaltenkirchen geleitet. Eine Querung der Fahrtstrecke ist dann für etwa 1,5 Stunden nicht möglich. Wegen Bauarbeiten zwischen Hamburg-Stellingen und Kaltenkirchen wird die A 7 zwischen Bad Bramstedt und Schnelsen-Nord  Richtung Süd zwischen  13.30 und 16.30 Uhr gesperrt – Richtung Norden sind die Motorradfahrer unterwegs. 

Am Sonntag steht von 8.30 bis 15.30 Uhr ein Informationstelefon der Polizei unter 040/428656565 zur Verfügung. Der Mogo hat ab 6 bis 15.30 Uhr ebenfalls ein Kontakttelefon geschaltet: 0170/5067277.

 

Da nur ein kleiner Teil der Besucher in die Kirche passt, wird der Gottesdienst auf eine Videoleinwand vor dem Michel übertragen. Dort wird es auch eine „Segensoase“ geben. In dem Zelt können sich die Motorradfahrer von zwei Mitarbeitern des Mogo segnen und mit Öl salben lassen.

Im Gottesdienst soll auch der tödlich verunglückten Motorradfahrer gedacht werden. Vor dem „Kleinen Michel“, der katholischen Kirche St. Ansgar ganz in der Nähe der Hauptkirche, sollen Mogo-Besucher vor einem Holzkreuz Steine zum Gedenken an die Unfallopfer niederlegen können. In Hamburg waren im vergangenen Jahr drei Motorradfahrer ums Leben gekommen, 2014 waren es neun gewesen. In Schleswig-Holstein stieg die Zahl der Getöteten von 20 auf 25. In diesem Jahr sind in beiden Bundesländern bereits mindestens vier Motorradfahrer tödlich verunglückt.

Am Ziel des Konvois soll das Programm erstmals nicht nur aus Live-Musik und Tanz-Shows bestehen. Auf dem Fest wird es auch um die Fahrsicherheit gehen. Der ADAC bietet Fahrübungen an, die Johanniter veranstalten Erste-Hilfe-Kurse. Auch der Gottesdienst im Hamburger Michel kann auf einer Videoleinwand verfolgt werden.


Seit eineinhalb Jahren ist Lars Lemke Pastor für den Motorrad-Gottesdienst in der Nordkirche – im Interview erzählt der gebürtige Tönninger, wie er den 33. Mogo in diesem Jahr zum Volksfest mit vielen Neuerungen ausbaut.

Herr Lemke, seit 33 Jahren gibt es den Mogo in Hamburg, was macht ihn so erfolgreich?

In Hamburg ist der Mogo gelebte Tradition, der hat Kultstatus. Aber es gibt ja auch gerade in Schleswig-Holstein viele kleinere Mogos. Ich finde es toll, dass Leute die Idee übernehmen, sie aus- und umbauen.

Warum funktioniert die Verbindung zwischen Kirche und Bikern?

Vielleicht weil jeder Motorradfahrer weiß, wie gefährdet er ist. Wir haben keine Knautschzone, uns kann es leicht erwischen. Man ist sich der Zerbrechlichkeit des Lebens bewusst – und wir wissen, dass es etwas zwischen Himmel und Erde gibt, das wir nicht in der Hand haben.

Und das zeigt sich auf dem Mogo?

Ja. Die Biker könnten auch an die See fahren, zu einem Gasthof oder einem Festival – aber sie kommen zu uns. Im vergangenen Jahr waren es 27.000 Leute, in diesem Jahr hoffe ich auf gutes Wetter und über 30  000 Biker. Denn das gibt es sonst nirgendwo: Dass für Motorradfahrer eine Autobahn gesperrt wird. Allerdings hat das für die Organisatoren nicht nur Vorteile.

Warum?

Wir müssen immer mehr Auflagen erfüllen – und das kostet Geld. Seit fünf Jahren ist der Mogo in finanzieller Schieflage und ein Zuschussgeschäft.

Woran liegt es?

Wir müssen selbstkritisch sagen, dass wir ein großartiges Fest immer großartig feiern wollten. Ich sage aber: Man kann nur die Party feiern, die man sich auch leisten kann.

Dafür bauen Sie den Mogo aber ganz schön aus  ...

...  ja, wir werden in diesem Jahr nicht nur einen Gottesdienst im Michel mit Konvoifahrt haben, sondern in Hamburg wird der Mogo auf einer Leinwand nach draußen übertragen. Dazu gibt es eine Segenstankstelle, wo sich jeder Biker seinen Segen durch einen Pastor oder einen Helfer hautnah abholen kann. Und am Zielort bei Dodenhof in Kaltenkirchen werden wir ein Fest feiern.

Wie sieht das aus?

Unsere Sponsoren haben das Angebot ausgeweitet, es wird Fahrsicherheitstrainings oder Kurse für Wiederaufsteiger geben, man kann ein Motorrad gewinnen, es gibt einen Überschlagssimulator und eine Stunt-Show. Wir wollen auch den Familien der Biker etwas bieten.

Klingt mehr nach Kommerz als nach Kirche.

Finde ich nicht. Wir veranstalten keine Motorradmesse, im Mittelpunkt steht der Gottesdienst. Deswegen wird der dieses Jahr erstmals auf einer Leinwand auch in Kaltenkirchen gezeigt. Und das Thema Sicherheit ist für uns fast ein christlicher Wert: Wir übernehmen Verantwortung für uns und andere. Und wenn man das auf so einem geilen Event zeigen kann – dann ist das doch was.

Sie wollen doch nur mehr Mitglieder gewinnen.

Ich gebe zu, dass ich einen missionarischen Impuls habe. Nicht alle auf dem Mogo haben etwas mit Kirche am Hut – aber mein Ziel ist es, den einen oder anderen mit einem Wort oder einem Lied zu bewegen. Und wenn ich die Ruhe spüre, die einkehrt, wenn wir der bei Unfällen Getöteten gedenken, dann weiß ich: Irgendwas bleibt hängen.

Der Mogo macht es ihnen leichter an die Menschen heranzukommen?

Ja, und Kirche muss versuchen, Mitglieder über Themengemeinden zu gewinnen – parallel zu traditionellen Ortsgemeinden, von denen es ja leider gerade auf dem Land immer weniger gibt. Deswegen gibt es die Urlauberseelsorge, größere Aktionen der Jugendkirche, einen Pilger- und eben auch einen Mogo-Pastor.

Was fasziniert Sie persönlich am Motorradfahren?

Ich mag die Freiheit. Auf dem Moped kann ich abschalten. Und wir Biker bewegen uns an Grenzen – und das ist auch ein Zeichen von Lebensfreude. Aber aufgepasst: Gerade wenn man das Leben liebt sollte man es bewahren. Und das hat wieder ganz viel mit Gott zu tun.

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erstellt am 07.Jun.2016 | 07:47 Uhr

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