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Konzertkrtik : Motörhead rocken in Hamburg

vom

Lemmy Kilmister ist eine lebende Legende. 22 Studio-Alben hat die Band rausgefeuert sowie Stadien zum Kochen gebracht. Auch die Sporthalle bebte am Freitagabend. Doch das alte Schlachtross ist ein wenig müde geworden.

shz.de von
erstellt am 16.Nov.2014 | 11:42 Uhr

Hamburg | Als um 21.10 Uhr das Hallenlicht ausging, die spektakulären Altpunker von The Damned ihre Dienste als Nebenact absolviert hatten, trat der Meister auf die Bühne. Der 68-jährige einstige Highspeed-Rocker Kilmister stand wie ein Monument in der Mitte der Bühne und haute in seinen Rickenbacker-Bass. „Are you alright? We play Rock'n'Roll“, so seine Begrüßung. Ohne viele weitere Worte zu verlieren, spielte Motörhead dann „Shoot You In The Back“ und „Damage Case“ und „Stay Clean“ runter, steigerte von Song zu Song das Tempo. Doch Kilmister, der nach Drogen, Suff und einer Herz-OP voriges Jahr seine Deutschland-Tour absagen musste, hat seinem wilden exzessiven Leben Tribut zollen müssen.

Ein wenig müde, kämpfte er sich durch das Oeuvre der Band, die neben AC/DC mit harten satten Riffs der Rockwelt in fast vier Jahrzehnten so unverwechselbar ihren Stempel aufgedrückt hat. Meist als Trio, in unterschiedlicher Besetzung. Denn Motörhead ist Kilmister und „Dr. Rock“, der Mann mit dem feisten Backen- und Schnauzbart und Faible für Zweite-Weltkriegs-Symbole ist Motörhead.

Das Band-Phänomen lässt sich auch anhand ihrer Fans erklären. Im Underground geboren, kennt mittlerweile jedes Kind Motörhead, die Mucke läuft auf jeder Primanerparty und bringt jedes Dorffest zum Toben. Die Alben, die alle ein wenig gleich klingen, sind Millionen-Seller. Kleinster gemeinsamer Nenner ist hierbei die Lautstärke: „Everything louder than everything else“, lautet ein Motörhead-Slogan.

Tausende trugen T-Shirts mit dem metallenen Totenschädel, Motörhead-Tatoos oder riesige Aufnäher auf Lederjacken und Jeanswesten. Es waren junge Frauen dabei und alte Hasen; Glatzköpfe, Dorfproleten und viele Rauschebärte. „Die Energie von früher kriegt man nicht mehr hin“, sagte einer, der die Motörhead-Gigs in kleinen Rock'n'Roll-Höhlen zu Kilmisters bester Zeit noch kennt. „Overkill“ und „Ace of Spades“, röhrte derweil der Boss mit seiner krach-kehligen Megastimme.

Cowboystiefel kamen zum Einsatz, Nasenringe, Fönwelle und/oder Schnauzer. Die englische Band – mittlerweile lebt Kilmister längst in Los Angeles – verbindet fluchendes Aufbäumen mit dem Usus der Mengen. Es gab gestreifte Röhrenjeans der 80er, Getolltes, Halsgepigertes, viele besoffen sich, dennoch war es friedlich. Auch der deutsche Popstar Bela B. amüsierte sich zwischen Wacken-Emblemen und Teufelsfingern auf dem Oberrang. Die Headbanger-Traube unten wurde derweil von Song zu Song größer und wilder.

Kilmisters Stimme wirkte ein wenig müde und abgekämpft, dennoch war das Konzert zwischen Nostalgie und Hallo-Wach-Erlebnis für die meisten von Bedeutung. Wer weiß, wann man sich in diesem Rahmen das nächste Mal wieder trifft. „Sie gehören einfach dazu. Damit sind wir aufgewachsen“, sagte jemand. Nach einer Stunde und 20 Minuten stellte der alte wackere Wolf seinen Bass zur Seite. „No sleep 'til Hammersmith“, heißt ein weiterer Motörhead-Schlachtruf in Anlehnung an ein legendäres Konzert und Livealbum. Schlafen konnten die 8000 Zuschauer erst einmal nicht.

  

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