Hamburg : Mordversuch mit Messer – Prozessbeginn 37 Jahre nach der Tat

Ein damals 16-Jähriger soll ein Mädchen mit einem Messer attackiert haben, um es zu vergewaltigen.

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05. August 2018, 18:30 Uhr

Hamburg | Mehr als 37 Jahre nach einer versuchten Vergewaltigung in Hamburg-Steilshoop, bei der eine junge Frau mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt wurde, muss sich der mutmaßliche Täter von Montag an vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 54-Jährigen Mordversuch vor.

Der damals 16-Jährige soll am 1. November 1980 am späten Abend in der Nähe einer Kleingartenanlage ein gleichaltriges Mädchen attackiert haben. Es überlebte nur dank einer Notoperation. Der Fall wird nicht öffentlich als Jugendstrafverfahren verhandelt, wie ein Gerichtssprecher am Donnerstag sagte.

Die Ermittlungen hatte die Soko Cold Cases der Hamburger Polizei geführt. Nach neuen Zeugenhinweisen konnte der arbeitslose Mann im Februar dieses Jahres festgenommen werden. Er blieb einige Zeit in Untersuchungshaft, ist inzwischen aber wieder auf freiem Fuß.

Den Ermittlern zufolge stach der Angeklagte bei der Tat mehrmals mit einem Messer auf das Mädchen ein. Der Täter habe angenommen, die 16-Jährige sei tot, und habe sie vergewaltigen wollen. Als Passanten aufmerksam wurden, habe er die Flucht ergriffen. Die versuchte Vergewaltigung ist inzwischen verjährt.

Auf die Spur des Mannes war die Polizei über ein anderes Ermittlungsverfahren gekommen. Dabei meldete sich eine Zeugin, die berichtete, ein Mann habe sie im Spätsommer 1980 in Steilshoop vergewaltigen wollen. Doch die damals ebenfalls 16-Jährige konnte sich in eine Gaststätte flüchten. Die Frau nannte einen Namen. Der Fall zeigt viele Parallelen zu dem Verbrechen wenige Monate später.

Der Polizei gelang es, den heute 54-Jährigen zu ermitteln und im Januar dieses Jahres zu vernehmen. Dabei bestritt der Verdächtige jedoch die Taten.

Die Ermittler hatten aber ein wichtiges Beweisstück: Nach dem blutigen Angriff auf die 16-Jährige hatten die Beamten ein Fahrtenmesser mit Horngriff gefunden, das der Täter auf der Flucht versteckt hatte. Das Messer mit 15 Zentimeter langer Klinge konnte schon damals eindeutig als Tatwaffe identifiziert werden. Das Messer sei aber heute bei der Polizei nicht mehr vorhanden, sagte der Gerichtssprecher. Doch es gebe Bildmaterial des Originals.

Der 54-Jährige gab laut Polizei an, das Messer zu kennen und auch schon mal in der Hand gehabt zu haben. Er wisse jedoch nicht, wem es gehöre. Die Ermittler veröffentlichten ein Foto des Messers und der Lederscheide mit der Darstellung eines röhrenden Hirsches und fragten, wer es einer bestimmten Person zuordnen könne. Nur einen Tag später meldete sich ein Zeuge. Der 54-Jährige aus Hamburg-Wandsbek wurde daraufhin festgenommen.

Der Angeklagte gelte als nicht vorbestraft, sagte der Gerichtssprecher. Es könne aber sein, dass es schon früher Verurteilungen gegeben habe, die inzwischen aus dem Bundeszentralregister getilgt seien.

Das Gericht hat 18 Verhandlungstage bis Dezember anberaumt.

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