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Grosseinsatz gegen Rocker : Mongols in Hamburg und SH: Polizei nimmt drei Verdächtige fest

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Die Bilanz einer Großrazzia gegen Rockerkriminalität in Hamburg und SH: drei Festnahmen und zehn Durchsuchungsbeschlüsse.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 13:59 Uhr

Hamburg | Die Hamburger Polizei geht mit Härte gegen kriminelle Rocker in der Stadt vor. Erst vor einer Woche war der örtliche Mongols-Präsident Erkan U. verhaftet worden, am Donnerstag nun bekamen weitere Mitglieder der Rockervereinigung unangemeldeten Besuch von Milieufahndern.

Im Juli 2014 wurde das Chapter der Mongols in Hamburg gegründet. Ein Chapter des Clubs in Bremen wurde verboten. Ein Probechapter gibt es in Kiel.

Am Morgen stürmten Beamte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) zehn Wohnungen mutmaßlicher Mongols-Rocker in Hamburg, Norderstedt (Kreis Segeberg) und Ahrensburg (Kreis Stormarn). Polizeisprecherin Karina Sadowsky: „Die Staatsanwaltschaft und Beamte des Fachkommissariats für Milieu- und Rockerdelikte haben drei Tatverdächtige im Alter von 30, 34 und 35 Jahren verhaftet und zehn Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt.“ Überraschende Begründung: Die Festgenommenen sollen im November ihren eigenen Boss U. in dessen Wohnung überfallen, verprügelt und ihm seine Rocker-Kutte abgenommen haben. Bislang war die Öffentlichkeit davon ausgegangen, dass es sich bei der Attacke um einen Racheakt der Hells Angels handelte.

Am Donnerstag präsentierten die Ermittler einem Afghanen (30), einem Deutschen (34) und einem Portugiesen (35) aus dem Mongols-Umfeld deren Haftbefehle. In der Wohnung des 35-Jährigen in Ahrensburg entdeckte die Polizei zudem eine scharfe Schusswaffe. Die Festgenommenen leisteten keinen Widerstand und schweigen zu den Vorwürfen. Sie sitzen in U-Haft.

Mit dem Einsatz dürfte der seit Monaten schwelende Konflikt unter Hamburgs Rockergruppen fürs Erste beendet sein. Die Mongols sind offenkundig mit dem Versuch gescheitert, den Hells Angels die Vorherrschaft im Rotlichtmilieu rund um die Reeperbahn streitig zu machen. Erkan U. hatte die Ansprüche seiner Gruppe zuletzt mehrfach mit martialisch anmutenden Auftritten untermauert. Der Mann, der seine „Karriere“ als Zuhälter im Großbordell „Laufhaus“ auf St. Pauli begann, inszenierte sich gern als skrupelloser Rockerboss. Über den Wangenknochen hat der 37-Jährige den Leitspruch der Mongols tätowiert: „MFFM“ (Mongols Forever – Forever Mongols). Vor wenigen Wochen ließ er seine Leute in Mongols-Kutten auf der Reeperbahn posieren – eine offene Kampfansage gegenüber den dort dominierenden Angels. Nach der filmreifen Erstürmung seines Penthouses am vorigen Freitag muss U. nun zunächst eine zehnmonatige Reststrafe im Gefängnis absitzen.

Wie aus der Szene verlautet, hatte sich der Rocker-Präsident zuletzt auch in den eigenen Reihen unbeliebt gemacht, einige Mongols hätten seine Ablösung verlangt. Unklar ist in dem Zusammenhang, wer für einen Handgranatenanschlag auf den Lamborghini von Erkan U. im Oktober verantwortlich ist. Im Hintergrund könnten laut Milieukennern auch Mongols aus Bremen Front gegen den Hamburger Statthalter gemacht haben. U. hatte nach dem Verbot des Bremer Chapters die Rolle des Mongols-Deutschlandschefs für sich beansprucht.

Mit dem jüngsten Doppelschlag gegen die Rockergruppe scheint zumindest der Kampf um den Kiez bis auf Weiteres entschieden. Aus der Szene heißt es, die Mongols stellten in ihrem jetzigen Zustand keine Gefahr für die Hells Angels auf St. Pauli mehr dar.

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