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Verkehr in HH : Mit Kommentar: Streit um höhere Taxi-Tarife in Hamburg - CDU fordert Preisbremse

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Nach gut zweieinhalb Jahren soll Taxifahren in Hamburg wieder teurer werden. Das Gewerbe hat an Attraktivität verloren.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2017 | 15:34 Uhr

Hamburg | Die geplante Erhöhung der Taxitarife in Hamburg hat einen Streit ausgelöst. Einen Tag vor der Senatsentscheidung forderte die oppositionelle CDU eine Preisbremse für Taxitarife und bezweifelte die wirtschaftliche Notwendigkeit der Anhebung. Das Taxigewerbe stellte sich dagegen hinter die Pläne des rot-grünen Senats und erklärte, die neue Tarifordnung werde die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Branche sichern.

„Die geplante Preiserhöhung ist unverhältnismäßig, unsozial und schädlich für viele Betriebe“, erklärte der CDU-Verkehrspolitiker Dennis Thering. „Taxifahren muss bezahlbar bleiben.“ Er forderte eine Preisbremse für Taxitarife und die Kopplung an einen Index mit festen Kriterien, weil das bisherige System der Preisfindung hinter verschlossenen Türen extrem intransparent sei. Wirtschaftlich gebe es keine Rechtfertigung für die Tariferhöhung, zumal Inflationsrate und Treibstoffkosten seit Jahren auf niedrigem Niveau lägen.

Aus der Branche kam dagegen Rückendeckung für die Senatspläne. „Seit der letzten Erhöhung im Oktober 2014 sind die Lebenshaltungskosten, die Betriebskosten und der Mindestlohn gestiegen“, sagte Christian Brüggmann, Vorstand der Taxen-Union Hamburg Hansa. Die Erhöhung sei notwendig, um das Überleben der Unternehmen zu sichern. Die neue Aufteilung der Tarife in Haupt- und Nebenverkehrszeiten sowie die Einführung von Festpreisen verbessere die Kalkulationsgrundlage und werde dazu beitragen, dass es in der Rushhour keine Engpässe gebe.

Nach dem Entwurf steigen ab dem 1. Juni die Preise für eine Taxifahrt in Hamburg im Durchschnitt um 6,7 Prozent und während der Hauptverkehrszeiten um 12,2 Prozent. Bundesweit erstmalig gelten von 7 bis 10 Uhr sowie 16 bis 19 Uhr erhöhte Preise, um Staunachteile für Taxiunternehmen auszugleichen.

Zweite Neuerung neben den Rushhour-Tarifen ist der Festpreis, auch das ein Novum hierzulande. Wer will, kann mit dem Taxifahrer eine Pauschale von 30 Euro für bis zu zwölf Kilometer vereinbaren. Das liegt leicht über dem Durchschnitts-Kilometerpreis, soll aber vor allem Reiseanbietern die Planungen erleichtern.

Die Zahl der Taxen in Hamburg ist von 2013 bis heute von mehr als 3500 auf weniger als 3100 zurückgegangen. Jährlich gibt es rund 14 Millionen Fahrten. Im bundesweiten Vergleich liegen die Hamburger Taxipreise nach der Erhöhung im oberen Mittelfeld. Zuletzt waren die Preise im Oktober 2014 angehoben worden.

Vorwürfe, Hamburg lange besonders kräftig hin, weist die Verkehrsbehörde zurück. Auch nach der Preisanhebung gehöre die Hansestadt nicht zu den teuersten Taxi-Städten in Deutschland. Ulrich Werner von der Verkehrsgewerbeaufsicht legte Vergleichszahlen vor. Demnach ist etwa eine Fahrt vom Flughafen in die City (10,5 Kilometer) zur morgendlichen Stoßzeit auch nach der Erhöhung in der Hansestadt noch deutlich günstiger als etwa in Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart und Hannover. Werner: „Grund ist die Hamburger Karenzminute, an der wir festhalten.“ Heißt: In der Elbmetropole zahlen Fahrgäste für die erste Minute eines jeden Stopps im Stau oder an roten Ampeln nichts. In anderen Städten werden dagegen für je zehn bis zwölf Sekunden Wartezeit zehn Cent fällig.

Laut Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) sichern die neuen Tarife „verlässliche Einkommen und nachhaltige Innovation im Gewerbe“. So sieht es auch Christian Brüggmann, Vorstand der Taxen-Union Hansa. Er verwies auf gestiegene Betriebskosten sowie und den höheren Mindestlohn. Die Preiserhöhung sei notwendig, „um das Überleben der Taxi-Unternehmer zu sichern“.

Die Tarife gelten im Übrigen nur für in Hamburg registrierte Wagen. Taxis, die aus dem Umland in die Stadt fahren und umgekehrt, sind an die Vorgaben nicht gebunden.

Kommentar von Markus Lorenz

Zwölf Prozent höhere Preise fürs Taxi fahren in Hamburg - das ist happig. Für manche Menschen werden Fahrten mit der Leihdroschke unerschwinglich, vor allem zur Rushhour. Denn nicht jeder, der um neun Uhr früh ein Taxi braucht, ist Geschäftsreisender mit üppigem Spesenkonto oder Tourist mit locker sitzendem Portemonnaie.

Fast drei Millionen Touren jedes Jahr entfallen künftig auf diese besonders teuren Zeiten. Manches spricht dafür, dass Stadt und Taxiverbände mit der Erfindung des „Stauzuschlags“ den Bogen überspannen und dies über kurz oder lang an sinkenden Kundenzahlen auch merken werden. Dagegen ist die Preiserhöhung in den übrigen Tageszeiten mit gut fünf Prozent zwar auch keine Kleinigkeit, aber unter dem Strich angemessen. Sie relativiert sich nicht nur, weil die Preise knapp drei Jahre stabil waren.

Die höheren Einnahmen sind auch notwendig, um die Qualität des Taxengewerbes in der Hansestadt zu verbessern. Gute Arbeit verdient gute Entlohnung, auch am Steuer eines Taxis. Und überdies sollen die Fahrzeuge möglichst modern, umweltfreundlich und top gepflegt sein. Taxi fahren kann in Hamburg ruhig moderat teurer werden - es muss dann aber auch besser werden. 

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