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Hamburg-Osdorf : Misshandeltes Baby Deljo: Vier Geschwister aus der Familie genommen

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Ein neun Monate altes Baby kommt in die Notaufnahme. Es werden ein Schütteltrauma und ein Schädelbruch festgestellt. Die Polizei ermittelt gegen die Mutter und ihren Lebensgefährten.

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2016 | 11:54 Uhr

Hamburg | Nach der schweren Misshandlung eines neun Monate alten Babys in Hamburg-Osdorf sind die vier Geschwister des Jungen aus der Familie genommen worden. Sie seien in einem Kinderschutzhaus, sagte ein Sprecher des Bezirksamts Altona am Donnerstag. Die 25 Jahre alte Mutter und ihr 21-jähriger Lebensgefährte seien die leiblichen Eltern aller fünf Kinder, sagte ein Polizeisprecher. Der Name des misshandelten Kindes laute Deljo. Die Eltern stehen unter Verdacht, ihr Baby im vergangenen November fast zu Tode geschüttelt zu haben.

Immer wieder werden Fälle von Kindesmisshandlung in Hamburg bekannt. Im Dezember 2015 wurde der einjährige Tayler zu Tode geschütelt. 2012 starb die elfjährige Chantal an einer Methadonvergiftung. Vor zwei Jahren starb die dreijährige Yagmur, nachdem sie von ihrer Mutter misshandelt wurde. Daraufhin hat sich beim Kinderschutz in Hamburg einiges geändert.

Das lebensgefährlich verletzte Kind kam nach Angaben der Polizei nach einer rettenden Notoperation in eine Pflegefamilie.

Die Ermittlungen wegen versuchten Totschlags gegen die Eltern gehen unterdessen weiter. Derzeit würden die sichergestellten Beweismittel der Wohnungsdurchsuchung ausgewertet, sagte der Polizeisprecher. Das Paar sei weiterhin auf freiem Fuß. Bereits vor der Misshandlung war die Familie vom Jugendamt Altona betreut worden.

Die Mutter war im November mit ihrem Sohn in die Notaufnahme eines Krankenhauses gekommen, teilte die Polizei mit. Die Ärzte hatten die schweren Verletzungen festgestellt und das Baby sofort operiert. Eine Rechtsmedizinerin erstellte ein Gutachten und erstattete im Dezember Anzeige - wie zuvor schon eine Mitarbeiterin des Jugendamts. Daraufhin hatte sich der Verdacht des versuchten Totschlags gegen die Mutter und deren 21 Jahre alten Lebensgefährten erhärtet, teilte die Polizei weiter mit.

Nach dem Tod des kleinen Tayler Mitte Dezember 2015 stellten Menschen Kerzen und Plüschtiere vor dem Wohnhaus der Familie auf.
Nach dem Tod des kleinen Tayler Mitte Dezember stellten Menschen Kerzen und Plüschtiere vor dem Wohnhaus der Familie auf. Der Fall ist bisher nicht aufgeklärt. Foto: Axel Heimken
 

Erst am 19. Dezember war der zwölf Monate alte Tayler nach einer schweren Misshandlung im Universitätsklinikum Eppendorf gestorben. Todesursache waren laut einer Obduktion schwerste Hirnverletzungen, die er ebenfalls durch ein Schütteltrauma erlitten haben soll. Gegen die 22-jährige Mutter aus Altona-Nord und ihren 26 Jahre alten Freund, der nicht der Vater des Jungen ist, wird wegen eines Tötungsdelikts ermittelt. Das Kind wurde vom Jugendamt Altona betreut. Die Jugendhilfeinspektion prüft derzeit, ob die Behörden beim Umgang mit der Familie Fehler machten. Ein Bericht soll in einigen Wochen vorliegen.

Ende November hatte das Hamburger Landgericht einen 27-Jährigen wegen schwerer Kindesmisshandlung zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte nach Überzeugung des Gerichts seinen drei Monate alten Sohn so heftig geschüttelt, dass dieser seit der Tat Ende April 2015 schwerstbehindert ist.

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