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Sex-Falle in Hamburg : Misshandelter Mongols-Rocker: Er wird noch immer bedroht

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Warum wurde ein Mongols-Rocker in eine Sex-Falle gelockt und von Maskierten schwer malträtiert? Als Zeuge vor dem Hamburger Landgericht kann oder will der 26-Jährige nur wenig zur Aufklärung beitragen.

shz.de von
erstellt am 29.Jun.2016 | 17:22 Uhr

Hamburg | Der Anfang Januar in Hamburg-Horn überfallene und schwer misshandelte Mongols-Rocker wird nach eigenen Angaben weiterhin bedroht. Einer der wegen der Tat vor Gericht stehenden Angeklagten habe ihm über den Facebook-Messenger geschrieben: „Pass auf! Dein Rücken wird von Leuten beschützt, aber die nächste Kugel kommt von vorne.“ Der Zeuge räumte am Mittwoch vor der Strafkammer ein, dass er zumindest vier der insgesamt sieben Angeklagten schon seit längerem kenne.

Die Mongols und die Hells Angels kämpfen seit Monaten in Hamburg um die Macht im Rotlichtmilieu. In Schleswig-Holstein sind die Hells Angels Flensburg und Kiel sowie die Bandidos Neumünster verboten. Seitdem ist es etwas ruhiger im Land. In Hamburg sind die „Hells Angels“ seit 1986 verboten - weitgehend ohne Konsequenzen. Eine Übersicht des Prozesses gibt es hier.

Vor Gericht stehen fünf junge Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 21 und 24 Jahren. Der mutmaßliche Haupttäter soll nach Angaben eines Gerichtssprechers Verbindung zum rivalisierenden Rockerclub Hells Angels gehabt haben. Der Anklage zufolge hatte einer der Mittäter Anfang Januar dem Mongol Sex mit den Frauen versprochen.

Sie holten ihn mit einem Auto ab und fuhren gemeinsam in eine Gartenlaube. Die Täter sollen ihr Opfer in einer Straße in der Nähe zurückgelassen haben. Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Der Mongol war an jenem Abend mit einer Machete bewaffnet. Die habe er zu seiner Sicherheit bei der Verabredung dabeigehabt, sagte der Arbeitslose. Wenige Tage zuvor sei auf dem Kiez auf ihn geschossen worden. Eine der angeklagten Frauen hatte zuvor ausgesagt, sie habe den 26-Jährigen damals auf die Machete angesprochen. Dieser habe daraufhin gesagt: „Damit schneidet man Köpfe ab.“

Als plötzlich vier bis fünf Maskierte hereingestürmt seien und ihn mit Schlagringen und einem Messer angriffen, habe er sich nicht mit der Machete gewehrt, sagte der Zeuge. Einer der Maskierten habe ihn mit einer Pistole bedroht. Zugleich habe dieser Mann die Misshandlung mit einem Handy gefilmt. Durch die Schläge, Tritte und Stiche sei er ohnmächtig geworden und erst gefesselt wieder zu sich gekommen, sagte der Zeuge.

Warum der Mongol überfallen wurde, blieb unklar. „Eine Erklärung habe ich nicht“, sagte der 26-Jährige. „Ich dachte, wegen der Mongolsgeschichte mit den Hells Angels, nur das kam in Frage.“ Die Richterin zitierte aus dem Abhörprotokoll eines Telefongesprächs des Zeugen, in dem es hieß: „Sie wollen die Angels-Kutten von mir.“ Kutten gelten im Rockermilieu als wichtiges Statussymbol.

Dass er mit Sex in die Falle in der Gartenlaube gelockt worden sei, daran könne er sich nicht mehr erinnern, sagte der 26-Jährige. Die Vorsitzende Richterin verlas aus einem Chatprotokoll, demzufolge der Zeuge vor dem angebotenen Treffen mit den beiden Frauen geschrieben hatte: „Hast du Foto, Bruder? Hoffe kann dir trauen, ha-ha, Spaß Bruder. Wie heißen die Muschis?“ Seit dem Überfall sei er nicht mehr Mitglied der inzwischen aufgelösten Hamburger Mongols. Er habe keinen Kontakt mehr zu seinen alten Kumpels. Auf Nachfrage des Staatsanwalts bestätigte er jedoch, dass er kürzlich einen durch Schüsse verletzten Mongol im Krankenhaus besucht habe. Der 25-Jährige und dessen 21 Jahre alte Freundin waren Mitte Juni im Stadtteil Schnelsen nachts angeschossen worden.

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