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Hamburger Amtsgericht : Missglücktes Ausparkmanöver: Seniorin greift Polizisten an

vom
Aus der Onlineredaktion

Die 78-Jährige verhielt sich nach einem Bagatellunfall aggressiv - so sehr, dass mehrere Beamte sie zu Boden bringen mussten.

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2016 | 13:59 Uhr

Hamburg | Vor dem Hamburger Amtsgericht hat am Donnerstag ein Prozess um eine Rangelei zwischen zwei Seniorinnen und der Polizei begonnen. Eine der beiden Schwestern im Alter von 78 Jahren muss sich wegen Fahrerflucht, Nötigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verantworten. Die Angeklagte soll sich nach einem Bagatellunfall im August 2015 eine Auseinandersetzung mit einem Beamten geliefert haben. Dabei verhielt sie sich nach Darstellung der Staatsanwaltschaft so aggressiv, dass mehrere Polizisten sie zu Boden bringen und fixieren mussten.

Laut Anklage begann alles mit einem missglückten Fahrmanöver. In einer ruhigen Wohnstraße im Stadtteil Lokstedt wollte die Frau mit ihrem Wagen rückwärts ausparken. Dabei stieß sie laut Anklage gegen ein anderes Auto. Der Ehemann der Halterin dieses Autos hörte ein Krachen beim Heckeschneiden, wie der 73-Jährige als Zeuge vor Gericht erklärte. Die Frau habe weiterfahren wollen, er habe versucht, sie aufzuhalten. Weil es zum Streit kam, rief der 73-Jährige die Polizei - und stellte sich vor das Auto. Noch vor dem Eintreffen der Beamten habe die Frau Gas gegeben und ihn am linken Bein berührt. Er riss die Fahrertür auf und drehte den Zündschlüssel um. „Es konnte nicht angehen, dass jemand versucht, mich über den Haufen zu fahren“, sagte der Zeuge.

Weil die Polizei weiter auf sich warten ließ, holte die 78-Jährige ihre drei Jahre jüngere Schwester hinzu, um ihr „Gesellschaft zu leisten“, wie sie über ihre Verteidigerin erklärte. Schließlich kam der erste Streifwagen. Nach einer Vernehmung der Fahrerin und des 73-Jährigen beschloss einer der Beamten, den Führerschein der Seniorin zu beschlagnahmen. Doch die Fahrerin weigerte sich, die Fahrerlaubnis herauszugeben, während ihre Schwester mit der Handtasche der 78-Jährigen davonlief. Eine Polizistin nahm die Verfolgung auf.

Was dann geschah, schilderte die Schwester so: „Ich habe gedacht: Nee, die kriegt die Tasche nicht.“ Für sie sei das ein Spiel gewesen, sagte die frühere Sozialarbeiterin. „Ich merkte, wie sie (die Polizistin) hochging. Und ich habe das Spiel gespielt.“ Die Beamtin habe sie anfassen wollen, da habe sie sie weggeschubst. Die Polizistin brachte sie zu Boden und hielt sie fest. „Ich habe sie leicht zu Boden gedrückt“, sagte die junge Polizistin im Prozess.

Weil die Fahrerin ihrer Schwester zu Hilfe kommen wollte, stieß ein anderer Polizist nach einem Gerangel auch diese alte Dame zu Boden und fesselte sie, wobei sich die Seniorin laut Anklage heftig wehrte.„Die Situation war sehr bizarr“, sagte der 50 Jahre alte Vorgesetzte der Polizisten. Er war zu Hilfe gerufen worden, völlig ahnungslos, wie er dem Gericht erklärte. Wirklich verletzt wurde niemand, doch gegen beide Seniorinnen leiteten die Beamten Strafverfahren ein. Ein Urteil will das Gericht am 18. Februar sprechen. Zuvor soll noch der Polizist aussagen, der die 78-Jährige niederrang und fesselte.

 

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