Landesbetrieb Erziehung und Beratung : Minderjährige Flüchtlinge in Hamburg: Einige schummeln beim Alter

Rund 650 Menschen hat die Sozialbehörde 2017 vorübergehend in Obhut genommen. Nicht alle davon waren unter 18.
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Rund 650 Menschen hat die Sozialbehörde 2017 vorübergehend in Obhut genommen. Nicht alle davon waren unter 18.

Rund 250 Flüchtlinge haben im vergangenen Jahr vermutlich falsche Angaben zu ihrem Alter gemacht.

shz.de von
15. Januar 2018, 15:51 Uhr

Hamburg | Rund 250 Flüchtlinge haben vergangenes Jahr in Hamburg mutmaßlich falsche Angabe zu ihrem Alter gemacht. Das sei mehr als ein Drittel der rund 650 Menschen, die der Landesbetrieb Erziehung und Beratung vorläufig in Obhut genommen habe, heißt es in einer Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion.

Insgesamt wollten beziehungsweise mussten laut Sozialbehörde 772 Menschen vom Landesbetrieb in Obhut genommen werden. Bei 120 Personen habe sich jedoch direkt herausgestellt, dass diese nicht minderjährig gewesen sein. Unter diesen 120 Personen können laut Sprecher der Behörde jedoch Menschen sein, die nicht wussten, dass der Landesbetrieb nur für Minderjährige zuständig ist. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung berichtet.

Die CDU-Abgeordnete Franziska Grunwaldt forderte aufgrund der Zahl an vermeintlich Minderjährigen einen verpflichtenden medizinischen Test, „sofern keine offiziellen Papiere vorliegen“ oder die Minderjährigkeit nicht offensichtlich sei. Bisher ist eine Untersuchung laut Sozialbehörde für Zweifelsfälle vorgesehen, wenn kein Ausweis vorhanden ist und durch eine „qualifizierte Inaugenscheinnahme“ Zweifel an der Minderjährigkeit aufkommen. Eine Verpflichtung bestehe nicht. Sollte der Flüchtling den Test jedoch verweigern, werde er automatisch als volljährig eingestuft.

Vergangenes Jahr seien solche Tests in knapp 100 Fällen erfolgt. Bei 51 Menschen habe man festgestellt, dass die jeweilige Person nicht mehr minderjährig gewesen sei. Insgesamt 124 und damit die meisten der vorläufig in Obhut genommen Menschen kam laut Senatsantwort aus Afghanistan (124) gefolgt von Marokko (119) und Somalia (84). Aus Syrien und dem Irak seien zwölf beziehungsweise 13 Menschen gekommen. Im gesamten Jahr 2016 waren laut Sozialbehörde 53 Prozent der 1813 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge tatsächlich unter 18 Jahre alt.

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