Imtech-Arena : Metallica in Hamburg: Der Abend ist ein Wunschkonzert

Druckvolle Texte, eindringliche Gitarrenriffs und gigantische Technik: In Hamburg zeigt Metallica, warum sie eine der besten Bands der Welt ist. 45.000 Zuschauer feiern das Quartett über zweieinhalb Stunden.

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05. Juni 2014, 08:09 Uhr

Hamburg | Vier liebevoll geflochtene schwarze Zöpfe wippen um das Gesicht von Robert Trujillo. Die weißen Socken oben leicht aufgerollt und mit kurzer schwarzer Hose stapft er über die Bühne. Den Bass umgehängt, die Mundwinkel unten. Es klingt wie Donner, wenn er auf dem E-Bass ein minutenlanges Solo durch die 45000 Fans im HSV-Stadion dröhnen lässt. Donner, der von innen gegen den Brustkorb klopft. Metallica sorgen bei ihrer „By Request“-Tour am Mittwochabend für ein Metal-Gewitter über Hamburg. Mehr als 30 Jahre Bandgeschichte entladen sich in der ausverkauften Imtech-Arena.

Die Tournee durch Europa ist ein demokratisches Experiment. Vor dem Konzert stimmten die Fans im Internet ab, welche Lieder die Metal-Veteranen bei ihrem Hamburger Auftritt spielen sollen. Und noch während die Band schon auf der Bühne steht, stimmen die Zuschauer per SMS-Voting über einen Bonus-Song ab. Für 50 Cent pro SMS.

Die Welthits wie „The Unforgiven“, „One“ und „Master of Puppets“ schaffen es selbstredend auf die Liste des Abends. Entsprechend zeigt auch die gigantische Videowand auf der Bühne unter anderem das Motiv des  Erfolgsalbums von 1986.

Aber auch die Ballade „Nothing Else Matters“ darf nicht fehlen – und sorgt für eine romantische Ruhepause, nachdem gerade noch „Whiskey in the Jar“  röhrte. Während im Publikum Smartphones und vereinzelt auch Feuerzeuge wie Sterne in der dunklen Arena aufleuchten, kniet sich Sänger James Hetfield vorn auf die Bühne und singt den tausendfach gespielten Klassiker, als wäre er taufrisch. Doch lange soll die Entspannung nicht anhalten. Direkt danach hämmern mit „Enter Sandman“ schon wieder die Bässe durch die Massen. Darauf haben viele gewartet: Die langen Männermähnen bewegen sich, einzelne Gruppen verquirlen sich in wilden Pogotänzen und lassen an mehreren Stellen eine Strudel-Optik in der schwarz gekleideten Menge entstehen. Aber in auch brav karierte Hemden sind eingestreut im Fan-Volk zu erkennen, hier und da ein HSV-Trikot-Shirt.

Trotz der dicht gepfropften Arena versucht Hetfield so etwas wie eine kuschelige Atmosphäre aufkommen zu lassen. „Wir machen das Konzert nur für euch“, betont der Sänger. „Ihr seid unser fünftes Mitglied.“

Immer wieder bezieht die Band ihre Fans mit ein, von denen einige während des gesamten Konzerts auf der Bühne am Rand stehen dürfen – und dabei dem Hamburger Publikum wiederholt eine beschriebene Schleswig-Holstein-Fahne vor die 45000 Nasen halten. Drei von ihnen dürfen sogar ans Mikrofon, um einen Song anzusagen. Selbst nach dem letzten Song kümmert sich die Band noch um die Menge und wirft Plektren unters Volk. „Wir sind eine Metallica-Familie“, sagt Sänger Hetfield mehrfach. „Hamburg, ihr macht, dass Metallica sich zu Hause fühlt.“

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