Landgericht Hamburg : „Messer im Rucksack“ – Angeklagte schildert Mordpläne vor Gericht

In ihrem eigenen Wohnhaus wurde eine 34-Jährige am Mittwoch von einer unbekannten Frau niedergestochen.

In ihrem eigenen Wohnhaus wurde das Opfer von einer unbekannten Frau niedergestochen. /Archiv

Eine Frau wird in ihrer Wohnung brutal überfallen und mit mehreren Messerstichen fast getötet. Ihr Ehemann soll eine Freundin dazu angestiftet haben. Das Opfer traf nun vor Gericht ihre mutmaßlichen Peiniger wieder.

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28. Mai 2018, 19:36 Uhr

Hamburg | Sie hätten es zunächst nach einem Unfall aussehen lassen wollen, dann nach einem Raubüberfall. Ihre mutmaßliche Peinigerin folgt ihr deswegen sogar in den Urlaub, zuerst nach Barcelona, später nach Prag. „Mit einem Messer im Rucksack“ lauert sie ihr in einem Parkhaus auf, beschattet sie bei der Arbeit. Das 34 Jahre alte Opfer wirkt gefasst, als die Angeklagte am Montag vor dem Hamburger Landgericht detailliert von den Mordplänen, die gegen sie geschmiedet wurden, berichtet. Die beiden Beschuldigten – ihr eigener Ehemann sowie dessen Bekannte – müssen sich wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Der 39-Jährige will sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern, seine gleichaltrige Freundin hingegen gesteht die Tat.

Die junge Frau, dessen Leben enden sollte, kommt mit Sonnenbrille in den Gerichtssaal, das Gesicht hat sie hinter einem Schal versteckt. Als die Angeklagte schließlich vom Tattag erzählt, kann sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten, der Prozess muss für kurze Zeit unterbrochen werden.

Das spätere Opfer habe „arg- und wehrlos“ im Bett gelegen, habe „über Kopfhörer Musik gehört“

Rückblende: Die beiden Beschuldigten kennen sich bereits aus der Schulzeit, treten nach jahrelanger Funkstille 2016 wieder in Kontakt. Kurz darauf habe ihr der Angeklagte das erste Mal von seinen Geldproblemen erzählt, berichtet die 39-Jährige. Insgesamt habe sie ihm seitdem mit etwa 120.000 Euro ausgeholfen. Er sei sehr unglücklich in seiner Ehe gewesen, habe Angst gehabt im Falle einer Scheidung seinen Sohn zu verlieren und erzählt, „dass es eine Lebensversicherung gebe“. Nachdem zwei Versuche, jemand anderes für den Mord an seiner Frau anzuheuern, gescheitert seien, „kam der Moment, in dem er mich gefragt hat, ob er auch auf mich zählen könnte“, berichtet die Frau.

Nachdem sie den gemeinsamen Plan zunächst nicht habe in die Tat umsetzen können, habe der Angeklagte sie schließlich am 29. November 2017 in die eheliche Wohnung gelassen. Sie habe sich zunächst versteckt, sei dann ins Schlafzimmer gegangen. Dort habe das spätere Opfer „arg- und wehrlos“ im Bett gelegen, habe „über Kopfhörer Musik gehört“, heißt es in der Anklageschrift. Die Angeklagte schildert stockend, wie sie sich daraufhin auf die junge Frau gesetzt habe, diese ihr aus „Angst und in Panik“ angeboten habe, sie könne alles aus der Wohnung mitnehmen. Wie sie dem Opfer versicherte habe, „dass ich ihr nichts tun werde“, wie sie sie gezwungen habe, „sich auf den Rücken zu legen“. Und wie sie schließlich mit dem Messer auf sie eingestochen habe, „mit Tötungsabsicht“ – davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt.

Trotz mehrerer Schnitt- und Stichwunden an Bauch und Hals schafft es das Opfer sich zu befreien, auf den Balkon zu laufen und um Hilfe zu rufen. „Ich habe sie noch an den Haaren gezogen, versucht sie herunterzuziehen, dann aber von ihr abgelassen“, schildert die Angeklagte. Sie trägt im Prozess ein weißes T-Shirt, die Haare hat sie streng zu einem Dutt nach hinten gebunden. Während ihrer Befragung richtet sie einige Worte direkt an die Nebenklägerin: „Ich wollte sagen, dass es mir unendlich leid tut“, sagt sie unter Tränen. „Es war der größte Fehler meines Lebens.“

Die Frau berichtet, wie sie viele Jahre zuvor in einer Sekte verbracht und auch dort sehr viel Geld gelassen habe. Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin, wie ihr Verhältnis heute zum Angeklagten sei, sagt sie: „Ich schätze mal, er hasst mich. Ich schätze mal, dass er mich so sieht, dass ich sein Leben zerstört habe.“ Laut Anklageschrift hat der Beschuldigte die Mordpläne „aus Habgier und heimtückisch“ geschmiedet, um die Lebensversicherung seiner Ehefrau in Höhe von 250.000 Euro zu erhalten.

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