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Dalai Lama in Hamburg : „Merkels Eintreten für Freiheit in China ist lobenswert“

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Der Dalai Lama, Oberhaupt der buddhistischen Tibeter, ist optimistisch, dass nach mehr als 60 Jahren der Besetzung Tibets doch noch eine Lösung gefunden wird. Kanzlerin Merkel mache vor, wie mit China zu verhandeln ist.

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erstellt am 26.Aug.2014 | 18:37 Uhr

Hamburg | Der Dalai Lama hat bei seinem Hamburg-Besuch das Eintreten von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für Demokratie, Freiheit und Rechtstaatlichkeit in China gelobt. „Das ist sehr, sehr gut und der richtige Weg“, sagte er am Dienstag bei einer Festveranstaltung zum 25-jährigen Bestehen der Tibet Initiative Deutschland und zum 35-jährigen Bestehen des Vereins der Tibeter in Deutschland.

Merkel bringe ihre Kritik nicht feindselig, sondern konstruktiv „unter Freunden und mit einer aufrechten Motivation“ vor. „Das ist wichtig aus Respekt vor den 1,2 Milliarden Menschen, die in China leben.“ Das religiöse Oberhaupt der buddhistischen Tibeter bedauerte jedoch, dass die aufrechte Haltung der Tibeter in China keinen Widerhall finde. „Trotzdem werden wir abgetan als Separatisten. Unser Kampf ist ein Kampf, der auf der Kraft der Wahrheit basiert, nicht ein Kampf auf Basis der Macht der Waffen.“ Kurzfristig könne man mit Waffen einen Gewinn erzielen. Aber auf lange Sicht helfe dies nicht, sagte der Dalai Lama auch mit Blick auf jene vornehmlich jungen Tibeter, die ein radikales Auftreten Tibets gegenüber China verlangen.

Der Dalai Lama selbst vertritt seit 1974 das von ihm entwickelte Konzept der Politik des Mittleren Weges. Danach soll den Tibetern eine Form der Selbstverwaltung und Autonomie zugestanden werden, ohne dabei die Einheit und Stabilität Chinas infrage zu stellen - was China bislang jedoch ablehnt.Der Dalai Lama, der in der Hamburger Laeiszhalle von zahlreichen Exil-Tibetern mit der tibetischen Nationalhymne empfangen wurde, zeigte sich dennoch optimistisch, dass sich die Lage in dem Land im Himalaya verbessern wird. So hätten inzwischen selbst chinesische Experten festgestellt, dass die Umweltzerstörung „auf dem Dach der Welt“ auch China selbst bedrohe. Gleichzeitig interessierten sich immer mehr Chinesen für den Buddhismus und die Tradition. Schon jetzt gebe es in China rund 400 Millionen Buddhisten. „Für diese Menschen ist die tibetische Kultur, die buddhistische Kultur von großem Wert.“

Insgesamt appellierte der Dalai Lama für innere Werte wie das Mitgefühl. Dieses sei relevant für die gesamte Welt. „In diesem Moment werden Menschen im Namen der Religion umgebracht. Das ist eigentlich undenkbar“, sagte er. „Wir brauchen wirklich innere Werte wie die des Mitgefühls.“ Diese gingen über die Grenzen einer Nation, eines Volkes hinaus - und widmeten sich der Menschheit universell.

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne), die den Dalai Lama im Namen des Deutschen Bundestags begrüßt hatte, bedankte sich ausdrücklich für den Einsatz der Tibet-Aktivisten. Sie zeigten Flagge für Tibet, setzten sich ein für die Menschenrechte, „die jeden Tag in Tibet mit den Füßen getreten werden“. Flagge zeigen für Tibet bedeute auch, „China aufzufordern, (...) endlich einen ernsthaften und glaubwürdigen politischen Dialog zu beginnen“, betonte Roth. Nach Angaben der Veranstalter sitzen derzeit mindestens 850 Tibeter in chinesischen Gefängnissen, weil sie sich etwa für Meinungsfreiheit eingesetzt haben oder ein Bild des Dalai Lama bei sich trugen.

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