zur Navigation springen

Matthiae-Mahl mit Cameron : Merkel: Hamburg richtet G20-Gipfel im Jahr 2017 aus

vom

Hamburgs Traditionsessen wird zum Mini-EU-Gipfel: Merkel und Cameron sprechen beim Mattiae-Mahl auch über den drohenden Brexit.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2016 | 09:46 Uhr

Hamburg | Die Hansestadt für einen Abend als Bühne der großen Europa-Politik – angerichtet zwischen Parfait vom geräuchertem Aal und Hamburger Stubenküken: Am Rande des prunkvollen Matthiae-Mahls im Rathaus haben Kanzlerin Angela Merkel und der britische Premierminister David Cameron am Freitagabend nach Wegen gesucht, einen britischen EU-Austritt abzuwenden. Vor Beginn des Festmahls trafen sich die Regierungschefs hinter verschlossenen Türen im Amtszimmer von Bürgermeister Olaf Scholz zu einem knapp einstündigen Gespräch. Zu den Inhalten wurde zunächst nichts bekannt. Als die Kanzlerin und der Premier anschließend am Ehrentisch des Banketts im Großen Festsaal Platz nahmen, taten sie dies in augenscheinlich gelöster Stimmung.

Für ihre Geburtsstadt hatte die Kanzlerin ein besonderes Gastgeschenk dabei. „Ich freue mich nun zu verkünden, dass der G20-Gipfel 2017 in Hamburg stattfindet.“ Zu dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer werden mehrere zehntausend Gäste erwartet.

Schon das Wiedersehen war herzlich ausgefallen. Küsschen links, Küsschen rechts: Merkel und Cameron begrüßten sich am oberen Ende der Senatstreppe demonstrativ vertraut wie alte Bekannte. Beide waren ohne Partner nach Hamburg gereist und wollten die Stadt im Anschluss gleich wieder verlassen. Nach ihrer Unterredung im Bürgermeisterzimmer trugen sich die Spitzenpolitiker im Phönixsaal ins Goldene Buch der Stadt ein.

Scholz hatte Merkel und Cameron bewusst in diesem Jahr als Ehrengäste zum ältesten Festmahl der Welt in sein Rathaus geholt, knapp eine Woche vor dem entscheidenden EU-Gipfel im Brexit-Streit. Der Bürgermeister bemüht sich um die Rolle des Vermittlers im Ringen um Londons EU-Mitgliedschaft. Cameron verlangt für sein Land deutliche Entlastungen bei Sozialleistungen an EU-Bürger. An dieser Frage dürfte sich das Referendum im Königreich über eine Abkehr von Europa entscheiden.

Hamburgs Bürgermeister eröffnete vor knapp 400 geladenen Gästen den Reigen der Reden, die beim Matthiae-Mahl traditionell in den Pausen zwischen den vier Gängen gehalten werden. Der Sozialdemokrat betonte das hohe Interesse der Stadt, Deutschlands und Europas an einem Verbleib Großbritanniens in der Union. „Wir wollen und können auf London nicht verzichten“, sagte Scholz und bezog dies sowohl auf das außenpolitische Gewicht als auch auf die wirtschaftliche Bedeutung und die demokratische Tradition des Landes.

Augenzwinkernd erinnerte Scholz an den Beginn der Beatles-Weltkarriere auf St. Pauli. „Im August 1960 kamen vier junge Briten aus Liverpool nach Hamburg. Nach drei Monaten wurden George Harrison und Paul McCartney ausgewiesen – wegen formaler Kleinigkeiten.“ Heute werde kein Brite mehr aus Hamburg ausgewiesen, auch kein anderer EU-Bürger. Scholz: „Die Freizügigkeit ist eines der großartigsten Rechte der europäischen Bürgerinnen und Bürger.“

London stellt diese Freizügigkeit in Frage, will dass Arbeitnehmer aus Mitgliedstaaten in anderen EU-Ländern erst nach vier Jahren Sozialleistungen erhalten sollen. Scholz zeigte Verständnis und schlug einen Kompromiss vor. EU-Bürger sollen demnach außerhalb ihres Herkunftslandes erst dann Unterstützung erhalten, wenn sie dort ein Jahr voll gearbeitet haben. Für den Brüsseler Gipfel am 18. und 19. Februar ist der Bürgermeister zuversichtlich. Scholz: „Eine Lösung, für die von Großbritannien aufgeworfene Frage sollte demnach möglich sein. Wir hoffen das.“

Auch Angela Merkel betonte in ihrer Ansprache, sie wünsche sich, dass Großbritannien in der Union bleibe. Europa könne aus der Krise gestärkt hervorgehen, ähnlich wie aus der Finanzkrise.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen