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Hamburger Gymnasien : Zwischen G8 und G9 „liegen Welten“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Abiturienten an Hamburger Stadtteilschulen haben teils eklatante Wissensrückstände gegenüber solchen an Gymnasien.

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Hamburg | Abiturienten an Hamburger Stadtteilschulen haben teils eklatante Wissensrückstände gegenüber solchen an Gymnasien. Laut der gestern vorgelegten Vergleichsstudie „Kess 13“ lagen die Leistungen des Abi-Jahrgangs 2012 dort in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften etwa drei Lernjahre hinter denen von Gymnasial-Abiturienten zurück. Und das, obwohl Kinder an Stadtteilschulen neun Jahre Zeit bis zur Reifeprüfung haben (G9), eines mehr als an Gymnasien (G8). „Da liegen Welten dazwischen“, sagte Studienleiter Ulrich Vieluf.

Spürbar gesunken ist der Wissenstand der Absolventen auch im Vergleich zu den G9-Gesamtschul-Abiturienten von 2005. In Mathe und Naturwissenschaften beträgt der Rückstand ein Lernjahr, nur in Englisch ist das Niveau über die sieben Jahre in etwa gleich geblieben. Für die Studie „Kompetenzen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern“ (Kess) war ein Jahrgang über mehrere Jahre hinweg fünfmal in Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften getestet worden.

Die wesentliche Ursache für die großen Leistungsunterschiede zu Gymnasien und zu früheren Jahrgängen sieht Schulsenator Ties Rabe (SPD) in der veränderten sozialen Zusammensetzung der Schülergruppen. So legten 2012 an Gesamtschulen, Aufbaugymnasien und beruflichen Gymnasien – die inzwischen in den Stadtteilschulen aufgegangen sind – 67 Prozent mehr Jugendliche die Reifeprüfung ab als 2005. Rabe: „Der Zuwachs betrifft vor allem Schüler aus bildungsferneren Elternhäusern.“ Der Anteil von Abiturienten mit nichtdeutscher Muttersprache wuchs von 27 auf 43 Prozent. 31 Prozent der Schüler litten unter „schlechten Lernvoraussetzungen“, sechs mal mehr als vor sieben Jahren. Und: Während bei „Kess 13“ kein einziger Abiturient mit „günstigsten Ausgangsbedingungen“ antrat, waren es 2005 noch 25 Prozent.

Die festgestellten Lerndefizite seien dabei nicht in der dreijährigen Oberstufe entstanden. Senator Rabe: „Die Fehler sind offensichtlich schon in der Mittelstufe gemacht worden.“ Laut dem Senator soll das Konzept der neuen Stadtteilschulen dafür sorgen, dass Wissensrückstände in diesem Ausmaß künftig erst gar nicht mehr entstehen können.

Studienleiter Vieluf hob die Fortschritte der Schüler aus bildungsfernen Familien in der Oberstufe hervor: „Die Lernzuwächse sind sehr, sehr, sehr zufriedenstellend.“ Vor allem sozial Benachteiligte hätten Erstaunliches geleistet. „Die Schüler mit den ungünstigsten Voraussetzungen haben die mit Abstand deutlichsten Fördererfolge zu verzeichnen.“

Die CDU-Opposition sprach von einem „dramatische Niveauverlust des Hamburger Abiturs“; dieser müsse sofort gestoppt werden, sagte Unions-Schulexpertin Karin Prien. Ihr Fraktionskollege, der parteilose ehemalige Primarschul-Rebell Walter Scheuerl, forderte Rabe auf, das Sitzenbleiben in der Mittelstufe wieder einzuführen.


 

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