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Bezirksämter Eimsbüttel und Mitte : Zwei Razzien im Fall Yagmur

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Der tragische Tod der dreijährigen Yagmur in Hamburg ist noch längst nicht aufgeklärt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt beim Jugendamt. Die Mutter gab der Pflegefamilie Schuld an den Misshandlungen.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2014 | 11:00 Uhr

Hamburg | Nach dem Tod der dreijährigen Yagmur in Hamburg-Billstedt hat die Staatsanwaltschaft Hamburg die Bezirksämter Eimsbüttel und Mitte durchsucht. Die Razzien fanden bereits vor zwei Wochen statt, wurden aber erst jetzt bekannt. Es laufen Ermittlungen gegen Jugendamtsmitarbeiter, berichtet das Hamburger Abendblatt. Dabei stehe unter anderem der Vorwurf der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen im Raum.

In Eimsbüttel wurde demnach bei der Durchsuchung die Personalakte einer Mitarbeiterin des Jugenamtes ausgehändigt. Sie soll verantwortlich dafür sein, dass Yagmur im Mai 2013 von ihrer Pflegemutter zu ihrer leiblichen Familie zurückgebracht wurde.

Kurz vor Weihnachten 2013 starb das Mädchen an in der Wohnung der Eltern an inneren Blutungen in Folge eines Leberrisses. Die 27-jährige Mutter und der 26-jährige Vater stehen sein dem 11. Juni in Hamburg vor Gericht. Der Mutter wird der Mord an ihrer eigenen Tochter vorgeworfen. Der Vater soll dabei zugesehen haben.

Die Kleine habe sich schon früh dagegen gewehrt, ihre leiblichen Eltern zu besuchen, erklärte die Pflegemutter im Prozess vor Gericht. Wenn die Mutter das Mädchen abholte, habe es „hysterisch“ auf sie reagiert: „Das war immer so eine Schreierei.“ Auch wenn sie zusammen mit dem Kind in der Wohnung der Eltern war, „ist Yagmur nicht von meinem Schoß runter“. „Sie hat sich an einem festgehalten.“ Das Jugendamt habe ihr aber gesagt, dass das normal sei - „weil wir halt ihre Familie und ihr Lebensmittelpunkt sind“. „Sie war Teil unserer Familie.“ Sie habe vor Yagmur noch keine Erfahrung mit Pflegekindern gehabt.

 

Eine Notärztin und zwei Rettungsassistenten sagten am Donnerstag als Zeugen vor dem Hamburger Landgericht aus, Yagmurs Mutter habe kurz vor dem Tod des Kindes der Pflegefamilie die Schuld für die Misshandlungen gegeben. Die drei Zeugen waren als Erste am Tatort, sie hatten vergeblich versucht, Yagmur wiederzubeleben. Das Kind habe „übermäßig viele“ Verletzungen gehabt, erklärte ein 36 Jahre alter Rettungsassistent. Die Mutter habe daraufhin gesagt, es sei von der Pflegemutter misshandelt worden, sagte sein 54-jähriger Kollege.

Die Pflegemutter, bei der Yagmur lange lebte, hatte sich tatsächlich in einer E-Mail an Polizei und Jugendamt zunächst selbst bezichtigt: Sie habe am Kindersitz gerüttelt und sei vielleicht schuld an Verletzungen des Kindes. Rechtsmediziner konnten dies jedoch später ausschließen.

Dem älteren Rettungsassistent sei vor Ort aufgefallen, dass die Kleine sehr dick angezogen war: „Normalerweise legt man ein Kind nicht mit Rollkragenpullover ins Bett.“ 

Die Mutter habe erklärt, das Mädchen sei ins Wohnzimmer gekommen, habe getaumelt und sei umgefallen, berichtete der Zeuge. „Das war für uns ungewöhnlich, dass ein kleines Kind umfällt und tot ist.“ Auf alle Fragen zu den Verletzungen habe die Mutter „immer irgendwelche Antworten parat“ gehabt, sagte der 54-Jährige. Sie habe etwa gesagt, dass ihre Tochter sehr oft stürze.

Die Mutter hatte nach Angaben der Zeugen nach Yagmurs angeblichem Sturz ihren Ehemann angerufen, aber nicht die Rettungskräfte. Erst ihr Partner setzte dann um 5.15 Uhr einen Notruf ab. Zwischen dem Sturz und dem Notruf sollen nach Darstellung der Mutter etwa 15 Minuten verstrichen sein, wie der 36-jährige Rettungsassistent sagte.

Es sei auffällig gewesen, dass das Kind so kalt gewesen sei, sagte die Notärztin - und auch, dass es Verletzungen etwa an der Innenseite des Arms und am Schädel hatte: „Das sind Stellen, wo Kinder sich nicht verletzen.“ Ein Hämatom am Kopf sei ganz frisch gewesen, berichtete die 51-Jährige. Die Mutter habe ihr allerdings gesagt, Yagmur habe sich die Verletzung einige Tage zuvor zugezogen, als sie auf der Straße hingefallen sei. „Für mich passte das alles nicht zusammen, was mir da erzählt worden ist. Ich habe es nicht als Wahrheit empfunden.“ Sie habe daher schnell die Polizei alarmiert.

Nach etwa einer Stunde hätten sie mit den Wiederbelebungsversuchen aufgehört, sagte die Medizinerin. Um 6.17 Uhr wurde Yagmurs Tod festgestellt.

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