Prozess nach Methadon-Tod : Zeugin: In Chantals Pflegefamilie herrschte „Chaos“

Die elfjährige Chantal starb an einer Überdosis Methadon. Ihre Freundin sagt vor Gericht aus.

shz.de von
09. Januar 2015, 15:35 Uhr

Hamburg | Im Hamburger Prozess um den Methadon-Tod der elfjährigen Chantal hat eine Zeugin die angeklagten Pflegeeltern als überfordert beschrieben. „Es war halt ein Chaos“, sagte eine 15-jährige Freundin von Chantal am Freitag vor dem Landgericht Hamburg. „Ich glaube, die Pflegeeltern waren ein bisschen überfordert.“

In den Fluren stapelten sich nach ihren Angaben Kleidung und Spielsachen, in den Zimmern sollen auch Schlagringe der leiblichen Tochter der angeklagten Pflegeeltern gelegen haben. Chantal soll mehrfach mit ihrer Freundin die Schule geschwänzt haben und erst spät abends nach Hause gekommen sein.

Die Freundin von Chantal hatte die Pflegeeltern in einer Polizeivernehmung im Februar 2012 schwer belastet, konnte sich aber am Freitag nicht mehr an die genauen Details ihrer Aussage erinnern. Chantal soll sich ihrer Freundin mehrfach anvertraut haben. „Ich will da nicht mehr wohnen. Hol mich da raus aus dieser Scheißfamilie“, soll Chantal zu ihrer Freundin laut einer Polizeivernehmungen gesagt haben.

Chantal war am 16. Januar 2012 an einer Methadon-Überdosis gestorben. Das Mädchen soll über ihre drogenabhängigen Pflegeeltern Zugang zu der Heroin-Ersatzdroge bekommen haben. Beide sind wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht angeklagt.

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