Hamburg : Wo ein Zug mit Steuergeld angetrieben wurde

Freigiebige und Hansestadt Hamburg: Im Donnerstag vorgelegten 39. Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler (BdSt) ist die Elbmetropole mit vier Fällen vertreten.

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22. Oktober 2011, 11:38 Uhr

Hamburg | Schaden der Hamburger Fälle beträgt für die Steuerzahler laut BdSt rund zehn Millionen Euro. Den größten Batzen dazu trägt der "Zug den Ideen" bei, den Hamburg als Europas Umwelthauptstadt auf Tournee durch 18 Metropolen des Kontinents geschickt hat. Vier Millionen Euro ließ sich die Stadt den Sonderzug mit sechs Containern kosten, der als rollende Ausstellung Projekte nachhaltigen Lebens zeigt.
Für den Steuerzahlerbund ist die Schau das Geld nicht wert: "Neues, Innovatives oder selbst etwas originär Hamburgisches, von dem Europa erfahren sollte, wird im Zug der Ideen nicht gezeigt." Stattdessen würden "althergebrachte Themen wie Mülltrennung und Wassergüte in Spielen und Kunst-Installationen konsumierbar verpackt". Die Umweltbehörde wies die Kritik postwendend als "voll daneben" zurück. "Der Zug hat eine Resonanz erzeugt wie kein anderes Ereignis in Hamburg seit der Fußball-WM", sagte Sprecher Volker Dumann. Wegen der "Riesenresonanz" entschied die Behörde gestern, den Zug eine Woche länger als geplant am Jungfernstieg geöffnet zu lassen.
"Überflüssige" Stahlstelzen für 3,05 Millionen Euro
Weitere drei Millionen Euro Steuergeld versenkt die Stadt laut BdSt auf der ehemaligen Mülldeponie in Georgswerder. Die soll für die Internationale Bauausstellung 2013 zum "Energieberg" mit Windkraft- und Photovoltaikanlagen werden und erhält dazu einen 900 Meter langen, beleuchteten Rundweg. Die aufwändige Stahlkonstruktion auf neun Meter hohen Stelzen für 3,05 Millionen Euro sei komplett überflüssig, urteilen die Steuerhüter. Ein stinknormaler Spazierweg täte es auch.
Dauerbrenner im Sündenregister bleibt das Polizeiorchester. Für 1,65 Millionen Euro jährlich leistet sich der Stadtstaat einen 35-köpfigen Klangkörper, der nur einen Bruchteil davon wieder einspielt. 2010 lagen die Einnahmen bei 30.000 Euro.
Neu auf der Liste sind die "Geisterhäuser" von Neuenfelde. Dort lässt die Stadt seit sieben Jahren rund 60 Wohnungen leerstehen. Nach der Verlängerung der Airbus-Startbahn sind die Gebäude wegen Lärms angeblich unbewohnbar. Stimmt nicht, kontert der BdSt und verweis auf ein Gutachten, demzufolge "kein einziger Grenzwert" überschritten werde. Mietausfall und Kosten für Bewachung: rund eine Million Euro.

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