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HSV in der Relegation : Wird Fürth den Dino erlegen?

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Das Stadion ist ausverkauft, der Gegner kann kommen - sollte man meinen. Doch während der historische Druck den HSV vor der Erstliga-Relegation fast erdrückt, kann Greuther Fürth das liebe Kind spielen. Ein fatales Spiel bahnt sich an.

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2014 | 15:28 Uhr

Hamburg | Der Hamburger SV freut sich nach einer desolaten Saison über ein Finale, um das sich wohl nur die wenigsten Vereine reißen würden: Am Donnerstag kommt die Spielvereinigung Greuther Fürth aus dem Frankenland angereist, um dem Bundesliga-Dino nach 51 Jahren Zugehörigkeit den Erstliga-Startplatz zu entreißen. „Es ist etwas Historisches, was wir schaffen können, wenn der HSV erstmals absteigt“, verkündete Fürths Torwart Wolfgang Hesl selbstbewusst. Der drohende Abstieg eines Riesen - können die wankenden Hamburger mit dieser Druckkulisse umgehen?

Schützenhilfe wie am vergangenen Wochenende wird es für den Favoriten von der Elbe nun jedenfalls nicht mehr geben. Ganze 27 Punkte aus 34 Partien holten die Hamburger in dieser Saison – für die anvisierten europäischen Plätze wäre die doppelte Ausbeute nötig gewesen. In den Relegationsspielen können die Rothosen nicht mehr auf fremde Hilfe hoffen – sie müssen sich aus eigener Kraft retten – und dabei ist ein Heimsieg schon fast überlebenswichtig. Die Fans glauben an den Sieg, am Montag um 10 Uhr war das Stadion bereits ausverkauft.

HSV-Boss Jarchow fordert für das Hinspiel ein klares Zeichen der Spieler: „Wir müssen vorlegen und im Rückspiel den Deckel drauflegen. Wie, ist völlig egal.“ Auch Sportdirektor Oliver Kreuzer verschwendet keinen Gedanken an eine Niederlage: „Der Erstligist ist in solchen Partien immer Favorit.“ Die bisherige Statistik zeigt, dass zwölf der 14 Teams, die im Hinspiel siegreich waren, letztlich die Relegation für sich entscheiden konnten.

Beim Gegner aus Franken ticken die Uhren anders. Lange galt die SpVgg Greuther Fürth als „unaufsteigbar“, bis man vor zwei Jahren den ewigen Malus beseitigen konnte. Doch die Bundesliga blieb nur eine Zwischenstation. Nach einer Saison musste der Verein im vergangenen Sommer als Tabellenletzter den Gang in die zweite Liga antreten. Mit einem 2:0-Sieg gegen den SV Sandhausen im Nacken kämpfen die Franken nun eher überraschend um die direkte Bundesliga-Rückkehr. Für die Fans der Fürther könnten diese Tage kaum schöner sein: Der Lokalrivale 1. FC Nürnberg ist abgestiegen und es winkt der Wiederaufstieg.

Bei der SpVgg Greuther Fürth wiegt man sich in der Rolle des Herausforderers – der gesamte Druck staut sich beim Gegner auf: „Dass der HSV der Favorit ist, dürfte klar sein“, bemerkte Trainer Frank Kramer. Ein weiteres Jahr zweite Liga wäre für den kleinen Club – anders als für die Hamburger Weltmarke – keine Frage des sportlichen und wirtschaftlichen Überlebens. Viele Fans können sich sogar gut mit der zweiten Liga arrangieren.

Mit 7,2 Mio Euro umfasst der Jahresetat der „Kleeblätter“ gerade mal ein Sechstel der Größe des Kontrahenten. Obwohl sie wirtschaftlich eher in der dritten Liga spielen, hat der Verein in dieser Saison sportlich viel geleistet. Mit 64 Toren erzielten Toren stellen die `Greuther den besten Angriff der hart umkämpften zweiten Bundesliga – das dürfte dem HSV Kopfzerbrechen bereiten, der mit 75 Gegentoren die Schießbude der Liga war.

HSV-Trainer Mirko Slomka wird die Aufgabe zuteil, die löchrige Defensivreihe um Ex-Kapitän Heiko Westermann, der seine Karriere einst bei den „Kleeblättern“ begann, in kürzester Zeit auf die schnellen Attacken des Aufstiegsaspiranten einzustellen. „Wir haben Greuther Fürth mehrfach beobachtet und wissen genau, was wir zu erwarten haben. Wir gehen mit einem Höchstmaß von Motivation und Entschlossenheit in die Relegationsspiele“, sagte Slomka, der am Sonntag allerdings das Spiel des direkten Aufsteigers Paderborn verfolgte.

Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier hat mit dem 1. FC Nürnberg gute Erfahrungen mit der Relegation gemacht: Einmal stieg er so mit dem „Club“ in die Bundesliga auf, ein anderes Mal gelang der Klassenerhalt. „Uns erwartet eine richtige Nervenschlacht“ sagte der 24-Jährige.  In vorderster Front liegt Hoffen und Bangen wieder in der Personalie Pierre-Michel Lasogga begraben, der seit Monaten wie eine Art hanseatischer Schicksalsgott gefeiert wird. „Er ist allein durch seine Anwesenheit wichtig“, meinte Kreuzer zur bulligen Leihgabe von Hertha BSC, die am Wochenende nach Verletzungpause sein 13. Saisontor erzielte. Im zarten Alter von 22 Jahren lastet das fußballerische Schicksal einer Millionenstadt auf ihm.

Die letzten Duelle der beiden Vereine verliefen allesamt knapp – mit Vorteilen für den HSV: In den Liga-Duellen 2012/13 gab es zu Hause ein 1:1 Unentschieden und auswärts einen knappen Sieg gegen die Fürther. Im der 2. Runde des diesjährigen DFB-Pokalwettbewerbs siegten die Hamburger mit 1:0: Torschütze Lasogga.

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