"Wir bauen eine neue Seidenstraße"

Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger (l.) ist bekennender Greuther- Fürth-Fan. Vor seinem Auftritt beim 'Hamburg Summit' überreichte ihm Bürgermeister Olaf Scholz einen  Schal des  Hamburger SV.  Foto: dpa
Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger (l.) ist bekennender Greuther- Fürth-Fan. Vor seinem Auftritt beim "Hamburg Summit" überreichte ihm Bürgermeister Olaf Scholz einen Schal des Hamburger SV. Foto: dpa

Alt-Kanzler Helmut Schmidt und der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger halten China für keine militärische Bedrohung

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30. November 2012, 03:59 Uhr

Hamburg | Europas taumelnde Wirtschaft setzt stärker denn je auf das Boomland China. Trotz seiner aktuellen Wachstumsschwäche bleibe das Reich der Mitte "auf der Überholspur", sagte der Präses der Hamburger Handelskammer, Fritz Horst Melsheimer, gestern beim Kongress "Hamburg Summit - China meets Europe". Das alle zwei Jahre in der Hansestadt abgehaltene Treffen hochrangiger Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gilt als wichtigste Veranstaltung dieser Art in Europa. Noch bis heute diskutieren mehr als 400 Teilnehmer die Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen dem Milliardenvolk und Europa.

Als Sitz von rund 400 chinesischen Firmen sieht sich Hamburg als wichtigster Brückenkopf der Volksrepublik auf dem Kontinent. Gerade angesichts der aktuellen Weltwirtschaftskrise sei ein engeres Zusammenrücken der Volkswirtschaften des Westens und Chinas nötiger denn je, so der Tenor der "Summit"-Teilnehmer.

Das Treffen in der Handelskammer war zwei Wochen nach der Neuwahl der KP-Spitze in Peking mit besonderer Spannung erwartet worden. Der chinesische Wissenschaftsminister Wan Gang nährte in Hamburg die Hoffnung, dass sein Land als Lokomotive die Weltkonjunktur in Schwung bringen könnte. In vorzüglichem Deutsch sagte der bei Audi ausgebildete Ingenieur, sein Land werde das gesteckte Ziel von 7,5 Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr erreichen. 2013 könne der Zuwachs noch darüber liegen, und bis 2020 werde sich die Wirtschaftsleistung abermals verdoppeln.

Der Minister betonte aber auch, dass sein Land einen Modernisierungsschub benötige, um Energie und Rohstoffe sparsamer einzusetzen und effektiver zu werden. Dabei wolle man von einer verstärkten Zusammenarbeit mit der EU profitieren. Wan wählte den Rückgriff auf ein transkontinentales Erfolgsmodell früherer Jahrhunderte und kündigte an: "Wir werden eine neue Seidenstraße bauen, eine Brücke zwischen China und Europa."

Führende deutsche Manager sehen China auf geradem Weg zur technologischen Großmacht. EADS-Chef Tom Enders sagte in Hamburg, das Land werde sich in den nächsten 20 Jahren zum größten Flugzeugmarkt der Welt entwickeln und dann auch der Konzerntochter Airbus und Boeing Konkurrenz machen. Das Airbus-Werk in China werde demnächst mit dem Export von Flugzeugen beginnen können. Den möglichen Einstieg chinesischer Investoren bei EADS nannte Enders "keine Bedrohung".

Am Abend diskutierten die Elder Statesmen Helmut Schmidt und Henry Kissinger die Rolle Chinas im 21. Jahrhundert. Altkanzler Schmidt sah das Riesenreich dabei Osten nicht als Bedrohung für den Weltfrieden. "China ist das friedlichste große Land in der Weltgeschichte. Von dieser Tradition wird es sich nicht lösen." Die Veränderungen in der chinesischen Führung wollten weder Schmidt noch der ehemalige US-Außenminister Kissinger allzu hoch bewerten. Die Grundsatzentscheidungen der chinesischen Politik seien getroffen und nicht abhängig von Personen.

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