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Hamburg-St. Pauli : „Wie eine Beerdigung“ – Esso-Häuser werden abgerissen

vom

Baulärm im Vergnügungsviertel: Der umstrittene Abriss der Esso-Häuser in Hamburg hat begonnen - zum Ärger vieler Anwohner. Mehrere Initiativen rufen zum Protest auf.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2014 | 13:37 Uhr

Hamburg | Zwei Spritpreis-Anzeigen von Esso stehen noch, doch ein paar Meter weiter wummert schon der Abrissmeißel: An der Hamburger Reeperbahn hat am Mittwochvormittag der umstrittene Abriss der sogenannten Esso-Häuser begonnen. „Zunächst reißen wir die Waschstraße ein, dann gehen wir auf die Gewerbezeile über, anschließend folgen die Häuser“, sagte der Marketingleiter der Bayerischen Hausbau GmbH, Bernhard Taubenberger. „Der Rückbau wird sich bis Juni hinziehen.“ Die namensgebende Tankstelle war bereits im Februar abgerissen worden.

Die Gesellschaft will auf dem Areal, das ihr seit 2009 gehört, ein „breites Potpourri aus Wohnen und Gewerbe“ schaffen. Die 86 Mietparteien, die ihre mehr als 50 Jahre alten Wohnungen bei der Zwangsräumung im Dezember verlassen mussten, seien alle mit neuen Unterkünften versorgt worden, beteuert die Bayerische Hausbau. Zwei Drittel der Mieter könnten weiterhin auf St. Pauli wohnen. Zudem hätten die bisherigen Bewohner ein vertragliches Rückkehrrecht.

Der Neubau mit 24.500 Quadratmetern Geschossfläche sei daher „städtebaulich sinnvoll und wohnungsbaupolitisch notwendig“, sagte Taubenberger.Viele Anwohner sehen das anders, sie befürchten die soziale Spaltung auf dem Kiez. Der Abriss der Esso-Häuser fühle sich an „wie eine Beerdigung“, sagte Anwohnerin Oxana Smakova. Auch der Zeitpunkt sorgt für Ärger: Direkt gegenüber der Baustelle steht die Bühne, auf der am Samstag der Eurovision Song Contest übertragen wird. „Aber die Gute-Laune-Maschinerie der Großevents kann unseren Schmerz über diesen Verlust nicht weglächeln - und auch nicht unsere Wut“, sagte Christoph Roggon von der Initiative SOS-St. Pauli.

Für den Nachmittag riefen mehrere Initiativen zu einer Kundgebung am Bauzaun auf. „Die Häuser denen, die sie brauchen“ und „Kapitalismusscheiße“ stand schon am Vormittag auf den Absperrungen. Am Abend sollte ein Lärmprotest unter dem Motto „St. Pauli wird laut“ folgen.Die Bayerische Hausbau hatte ursprünglich geplant, den Abriss bis Mitte April abzuschließen. Doch dieser Plan war „zu ehrgeizig“, hieß es nun - auch, weil bei der Vorbereitung weitere Schadstoffe gefunden worden seien.

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