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Nach Hamburg-Wahl : Wersichs Schicksal in den Händen der CDU-Fraktion

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Er sei „wahrscheinlich zu brav und zu hanseatisch“ gewesen, sagt Dietrich Wersich. Die CDU sieht er am Scheideweg.

Hamburg | Hamburgs CDU-Fraktionschef und Ex-Spitzenkandidat Dietrich Wersich sieht seine Partei nach der schweren Wahlniederlage vor einer Zäsur. „Die Hamburger CDU steht jetzt am Scheideweg“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. Es gehe nun darum, „ob man eine kritische Analyse dieses Ergebnisses durchführt und daraus die richtigen Schlüsse zieht oder ob einfach nur ein paar Köpfe rollen sollen, und dann wird weitergemacht wie bisher“. Am Abend will ein CDU-Landesausschuss über den Ausgang der Wahl diskutieren.

Bei der Bürgerschaftswahl am vergangenen Sonntag hatte die CDU mit 15,9 Prozent ihr schlechtestes jemals gemessenes Ergebnis eingefahren. Parteichef Marcus Weinberg kündigt bereits am Mittwoch seinen Rückzug als Vorsitzender an.

Wersich selbst will sein politisches Schicksal in die Hände der Fraktion legen. Er hatte bereits angekündigt, dass er sein Mandat auf jeden Fall annehmen werde, aber keinen Anspruch auf irgendein Amt, auch nicht das des Fraktionsvorsitzenden, stellen werde. Dass er der falsche Spitzenkandidat gewesen sein könnte, wies er zurück. „Ich hätte sagen können, dieser Auftrag ist aussichtslos, ich bleibe in der Deckung und lasse jemand anderen verlieren.“ Das habe er nicht getan. „Stattdessen habe ich zusammen mit vielen Mitstreitern leidenschaftlich gekämpft, bis zum letzten Tag.“

Der 50-Jährige räumte ein, dass er im Wahlkampf „wahrscheinlich zu brav und zu hanseatisch“ gewesen sei, um gegen Olaf Scholz (SPD) anzukommen. „Es ist uns und mir nicht gelungen, den entscheidenden Hebel gegen einen sehr anerkannten Bürgermeister zu finden.“ Eine Ursache sieht Wersich in den Nachwehen der 2010/2011 gescheiterten schwarz-grünen Koalition. „Es wird harte und kontinuierliche Arbeit und leider viel länger dauern, als viele gehofft haben, um als CDU das Vertrauen zu bekommen.“ Außerdem habe innerhalb der CDU anders als bei der SPD die Mobilisierung und Geschlossenheit gefehlt.

Wersich kritisierte das bislang von der CDU immer wieder betonte Label einer modernen Großstadtpartei. „Damit kann ich wenig anfangen.“ Er nehme kaum Unterschiede in der Union zwischen Land und Stadt wahr, und „inwieweit man das Lebensgefühl einer Stadt reflektiert, ist aus meiner Sicht mehr eine Stil- und weniger eine Themenfrage“. Es gehe auch nicht um liberal oder konservativ. Es gehe darum, beides stark abzubilden. „Wir müssen immer starke Köpfe haben, die das konservative Profil deutlich machen.“

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erstellt am 19.Feb.2015 | 10:29 Uhr

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