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HSV-Kolumne : Wenn schon Analyse, dann bitte gründlich

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Der Norden bangt um den HSV. Ein Abstieg würde nicht nur den Verein in den Abgrund stürzen, sondern die ganze Region mitten ins Mark treffen. Eine Kolumne von Jürgen Muhl.

Hamburg | Ein letzter Versuch: Uwe Seeler stieg am Donnerstag morgen in sein Auto und steuerte den Volkspark an. Gerade war die Nachricht - als erstes über sh:z.de - bekannt geworden, dass Felix Magath den HSV nicht übernehmen werde. Mit puterrotem Kopf stürmte Seeler in die Geschäftsstelle, vorbei an den Sekretärinnen Gabriele Haas und Jutta Harm, und stellte den Vorstand zur Rede. Edgar Jarchow und Joachim Hilke kamen kaum zu Wort. Die HSV-Ikone schoss wie zu besten Zeiten aus allen Rohren und sagte klipp und klar, dass es besser für den Verein wäre, Magath würde in diesen Räumen und auf dem Rasen das Sagen haben. Der überraschende Hausbesuch dauerte nur einige wenige Minuten.

Grußlos verließ Seeler die Katakomben. Ohne noch eine Veränderung herbeiführen zu können. Der Vorstand wollte Magath nicht, weil er dann hätte selbst gehen müssen. Welch ein verantwortungsloses Verhalten gegenüber dem Arbeitgeber und den Mitgliedern. Noch desaströser präsentierte sich der Aufsichtsrat. Der zerstrittene elfköpfige Haufen („Das dreckige Fast-Dutzend“) ließ seinen Chef Jens Meier ins Leere laufen. Meier, der werktags den Hamburger Hafen mit Erfolg  leitet, wollte Magath und somit die Rettung und Sanierung des Vereins. Andere aber nicht. Will Meier vor sich selbst noch gerade stehen, bleibt ihm nur noch der Rückzug. Bis gestern Abend kursierten Gerüchte, wonach der halbe Aufsichtsrat zurücktreten wolle. Irgendwie konsequent. 

Worte und  Geschäfte: Man müsse die Situation analysieren, sagte Jarchow kurz vor der Trainer-Entlassung. Als gebe es noch etwas zu analysieren. Wenn schon Analyse, dann bitte gründlich. Der überforderte Sportchef Oliver Kreuzer war es, der Bert van Marwijk für den richtigen Mann hielt. Kreuzer holte in der Winterpause mit Bouy und John zwei Profis, die kaum geradeaus laufen können. Vermittelt hat diese Transfers übrigens Mark van Bommel, der Schwiegersohn von van Marwijk, der nach seiner aktiven Profikarriere als Spielervermittler tätig ist. Gute Familien-Geschäfte unter Holländern.

Kreuzer spricht in Interviews wie ein Jugendbetreuer von „unseren Jungs“ und meint damit die versagenden spielenden Millionäre. Kreuzer fehlt jegliches Format. Eine Fehlbesetzung, für die ebenso Vorstand und Aufsichtsrat verantwortlich sind. Aber jener Kreuzer darf erneut auf Trainersuche gehen und verhandeln. Mirko Slomka wird im Gespräch schnell festgestellt haben, mit wem er es zu tun hat. Er will  trotzdem kommen und wird einen desolaten Haufen vorfinden. Die Verunsicherung in der Mannschaft erreichte in Braunschweig ihren Höhepunkt, als selbst Nationaltorhüter Rene Adler im Stile eines Kreisklassen-Schlussmannes mehrfach patzte und den Tabellenletzten auf die Siegerstraße brachte.

Der Norden bangt um den HSV. Ein Abstieg würde nicht nur den Verein in den Abgrund stürzen, sondern eine ganze Region mitten ins Mark treffen. Es bleiben noch 13 Spieltage.

Neue Millionen: Während in Hamburg jetzt um die weitere Zahlungsbereitschaft von Milliardär Klaus-Michael Kühne gebangt wird, vermehren sich in München die Millionen im Minutentakt. 110 Millionen steckt die Allianz in den FC Bayern, an dem auch die Konzerne Adidas und Telekom beteiligt sind. Der größte Millionen-Deal in der Bundesliga-Geschichte. Auch wenn Clubchef Karl-Heinz Rummenigge sagt, das Geld fließe in Steine und nicht in Beine,  schickt sich der Rekordmeister an, den Welt-Fußball zu beherrschen.

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 17.Feb.2014 | 11:02 Uhr

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