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Taufe in Hamburg : Weltgrößtes Containerschiff „MSC Zoe“: Rekordhalterin auf Zeit

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Wochenende wurde das größte Containerschiff der Welt, die MSC Zoe, in Hamburg getauft. Experten zweifeln am Sinn der Riesenkähne.

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2015 | 11:00 Uhr

Die kleine Zoe stand vor der großen „Zoe“ und waltete beherzt ihres Amtes. Die vierjährige Enkelin von Reedereigründer Gianluigi Aponte brachte Sonntagmittag im Hamburger Hafen zunächst eine große Schiffsglocke zum Klingen, dann löste sie den Mechanismus aus, der die Magnum-Champagnerflasche in Bewegung setzte. Krachend zerbarst diese am Rumpf der „MSC Zoe“, dem derzeit größten Containerschiff der Welt.

Seit geraumer Zeit bemühen sich Hamburger Senat und Reedereien darum, die Riesenpötte spektakulär in Hamburg in Szene zu setzen – als politische Demonstration für die Elbvertiefung. Zuletzt beim Anlauf des seinerzeit größten Carriers, der „CSCL Globe“ (399,7 Meter, 19.100 TEU) im Januar dieses Jahres und bei der Taufe der „CMA GGM Alexander von Humboldt“ (396 Meter, 16  000 TEU) vor gut zwei Jahren.

Im Rahmen einer großen Taufzeremonie bei Eurogate am Waltershofer Hafen erhielt der Riese offiziell seinen Namen, der längst am Bug des 395,40 Meter langen Frachters der italienisch-schweizerischen MSC-Reederei prangte. Mit einer Tragfähigkeit von exakt 19.224 Standardcontainern (TEU) stellt der Täufling den Weltrekord seiner baugleichen Schwesterschiffe „MSC Oscar“ und „MSC Oliver“ ein. Tags zuvor war der stärkste Lastesel der globalen Schifffahrt feierlich in Hamburg begrüßt worden.

Als sich der schwarze Rumpf des Frachters pünktlich gegen 17.30 Uhr vor Teufelsbrück ins Blickfeld der Hamburger schob, sprühten begleitende Feuerlöschboote Wasserfontänen. Akustisch gab die „Zoe“ alles und inszenierte sich als überirdische Besonderheit. Als sich das Schiff dem Zielort am Waltershofer Hafen näherte, intonierten die Schiffshörner die Titelmelodie des Weltraum-Klassikers „Star Wars“ .

Die Verantwortlichen um Wirtschaftssenator Frank Horch verbuchen die Besuche der jeweils größten Containerschiffe als hoch willkommene Signale der Branche. Noch halten die Großreedereien zum Standort Hamburg, warten allerdings mit zunehmender Ungeduld auf die Elbvertiefung. Sollte das Bundesverwaltungsgericht die Ausbaggerung der Fahrrinne erlauben, wären künftig immerhin Tiefgänge bis 14,50 Meter auf der Flutwelle und 13,50 Meter tideunabhängig möglich.

Ob das für die nächste Generation der Mega-Frachter ausreichen wird, ist allerdings offen. Denn „Zoe“, „Globe“ und auch die mit 400 Metern Längen-Rekordhalterin „UASC Barzan“ bilden nur kurz die Königsklasse auf den Meeren. Die japanische Werft Imabari baut für einen unbekannten Auftraggeber bereits elf Frachter, die 20.000 TEU transportieren können.

CMA CGM hat bei Hanjin in Korea drei Schiffe mit 20.600 Containern Tragfähigkeit geordert. Und die Reederei OOCL aus Hongkong hat bei Samsung in Korea sechs Schiffe in Auftrag gegeben, die 21.100 TEU tragen können. Technisch möglich wären nach Ansicht der Prüfgesellschaft DNV GL schon heute 24.000 TEU.

Wachstum: Wie die Schiffe immer grösser wurden

Jahr Beispiele TEU
1956 Ideal X 58
1964 Kooringa 276
1968 Weser Express 736
1968 Hakone Maru 752
1968/69 Encounter Bay 1530
1972 Hamburg Express 2950
1981 Frankfurt Express 3050
1984 American New York 4614
1996 Regina Maersk 6400
1997 Susan Maersk 8680
2002 Chalootte Maersk 8890
2003 Anna Maersk 9310
2005 Gjertrud Maersk 10.500
2006 Emma Maersk 11.000
2012 Marco Polo 16.000
2013 Maersk MC-Kinney Möller 18.270
2014 CSL Globe 19.100
2015 MSC Oscar/MSC Zoe 19.224

Getrieben wird die Entwicklung zu immer größeren Schiffen durch wirtschaftlichen Druck und den harten Konkurrenzkampf zwischen den global agierenden Schifffahrtskonzernen. Seit Jahren drücken Überkapazitäten und niedrige Frachtraten auf die Erträge.

Diesen Wettlauf der Rekorde wollen Naturschützer zumindest in Hamburg lieber heute als morgen unterbinden. „Das Risiko wächst mit den Schiffen mit“, heißt es vom „Aktionsbündnis lebendige Tideelbe“ aus mehreren Umweltverbänden. Sollte sich eines der Schiffe in der Fahrrinne quer legen, wäre diese nicht nur komplett blockiert. Es bestehe dann auch die akute Gefahr eines Auseinanderbrechens. Mit Blick auf die ständig nötige Anpassung der Hafen-Infrastruktur sprechen die Linken in der Hamburger Bürgerschaft von einer „Spirale des Wahnsinns“.

Rückendeckung bekommt der Linke von der OECD, der Organisation der Industrieländer. Sie schätzt die Kosten für zusätzliche Infrastruktur durch die Mega-Carrier auf 400 Millionen Dollar jährlich. Die Zweifel gehen tief. „Wir sind dicht an dem Punkt, an dem größere Schiffe keinen Sinn mehr ergeben“, sagt Olaf Merk von der OECD. „Oder wir haben ihn bereits überschritten.“

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