Hamburgisches Wattenmeer : Watt im Wartestand

Wird das Hamburgische Wattenmeer zum Weltnaturerbe ernannt? Hamburg hat einen langen Anlauf genommen, die winzige Lücke im Welterbe zu schließen.

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25. Juni 2011, 09:30 Uhr

Hamburg | Der lange Anlauf zum ersten Hamburger Welterbetitel wurde am Ende noch ein bisschen länger. In Paris hat sich gestern die Entscheidung der Unesco verzögert, Hamburgs Wattenmeer als Weltnaturerbe einzutragen. Ursprünglich hatte die UN-Organisation dieses am Nachmittag vollziehen wollen. Dann zog sich die Sitzung in Paris aber in die Länge, so dass bis Redaktionsschluss keine Entscheidung gefallen war; diese wird nun für heute erwartet.
Trotz der Zitterpartie: Zweifel am Erfolg nach fünf Jahren Vorbereitung gab es keine mehr. Die Unesco hatte dem Senat vorab signalisiert, dass es sich nur noch um eine Formsache handelt. Damit wird die letzte, winzige Lücke im deutschen und niederländischen Wattenmeer geschlossen, das bereits 2009 zum Naturerbe der Menschheit erklärt worden war. Seinerzeit war Hamburgs Senat kurz vor Toresschluss aus dem gemeinsamen Verfahren mit den Anrainern ausgestiegen. Die maritime Wirtschaft fürchtete, der weltweit bekannteste Naturschutztitel könnte die Elbvertiefung verhindern. Im Februar 2010 reichte die grüne Umweltsenatorin Anja Hajduk Hamburgs Antrag dann doch nach. Unesco und Bundeswirtschaftsministerium hatten zuvor versichert, dass die Ausbaggerung der Fahrrinne nicht beeinträchtigt werde. Nun darf Hajduks Nachfolgerin Jutta Blankau (SPD) die Früchte ernten. Den bevorstehenden Erfolg wollte sie gestern allerdings noch nicht kommentieren.
1,4 Prozent des Wattenmeeres
Zu Hamburg gehören lediglich 1,4 Prozent des Wattenmeeres. Mehr als 100 Kilometer von der Metropole entfernt, liegt die 137 Quadratkilometer große Exklave in der Elbmündung. Der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer (seit 1990) umfasst die Insel Neuwerk (40 Einwohner) sowie die Vogel-Eilande Scharhörn und Nigehörn. Sie dienen als bedeutende Rast- und Mauserstätten für durchziehende Seevögel, die in hier reichlich Nahrung finden. Etwa 2000 Tierarten leben in dem Gebiet - darunter Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale -, 250 davon kommen nur in den Salzwiesen des Watts vor.
Trotz des Ritterschlags durch die Unesco wird sich im Hamburger Watt voraussichtlich so gut wie nichts ändern. Im Nationalpark gelten bereits weitreichende Einschränkungen zugunsten der Natur. So sind Kutschfahrten und Wanderungen nur auf ausgewiesenen Wegen erlaubt. Einen Schub könnte das UN-Label dagegen dem Tourismus bringen. Bislang besuchen alljährlich 120.000 Menschen Hamburgs matschiges Vorzimmer.
(mlo, shz)

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