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Olympia-Bewerbung : Warten auf die DOSB-Empfehlung: Hamburg hält den Atem an

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Geht Hamburg oder Berlin auf Olympia-Kurs? Der Antwort fiebert nicht nur Hamburgs Prominenz entgegen. shz.de berichtet ab 16.30 Uhr im Liveticker.

shz.de von
erstellt am 16.Mär.2015 | 06:46 Uhr

Hamburg | Mit Hochspannung wartet Hamburg auf die Vorentscheidung des DOSB-Präsidiums über seinen Olympia-Kandidaten. Ob das Spitzengremium des Deutschen Olympische Sportbundes (DOSB) Hamburg oder Berlin als Ausrichter für den internationalen Wettbewerb um die Sommerspiele 2024 oder 2028 empfehlen wird, will die Prominenz der Hansestadt aus Sport, Politik und Gesellschaft am Montagabend in der O2 World verfolgen. In die Arena wird eine Live-Übertragung der DOSB-Pressekonferenz aus Frankfurt geschaltet.

Das achtköpfige Gremium beriet am Montagvormittag in den Räumen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach der Präsentation beider Bewerber mit 43 Persönlichkeiten aus Politik, Sport und der Zivilgesellschaft über Vor- und Nachteile der Kandidatenstädte. Gegen 19 Uhr wird das Präsidium eine wegweisende Empfehlung im Duell zwischen Berlin und Hamburg abgeben.


Tennis-Champion Michael Stich, HSV-Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer und Sportsenator Michael Neumann (SPD) gehören zu der Vielzahl an Gästen, die der Einladung von Olympia-Botschafter Alexander Otto folgen wollen. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) will sich bei den Koalitionsverhandlungen mit den Grünen auf dem Laufenden halten.

Mit vielfältigen Aktionen unter dem Motto „Feuer und Flamme für Spiele in Hamburg“ hat die Hamburger Olympia-Initiative versucht, die Hanseaten für Spiele an der Elbe zu begeistern. Der Erfolg der Anstrengungen schlug sich in der jüngsten Forsa-Umfrage für den DOSB nieder: 64 Prozent der Hamburger sprachen sich für Olympia aus, beim Konkurrenten Berlin waren es 55 Prozent.

Und auch die Vorfreude in den Städten ist ganz unterschiedlich. In Hamburg steigt am Abend eine große Olympia-Party - in Berlin gibt es nur eine Veranstaltung der Olympia-Gegner.

Für die Führungscrew der Dachorganisation des deutschen Sports ist dieses Ergebnis aber nur ein Baustein für seine Entscheidung. „Wir müssen die Umfrage ins Gesamtbild einbetten. Wie sind die Chancen international, welche Voraussetzungen in der Infrastruktur sind gegeben“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Er erwartete „keine leichte Diskussion über eine faire, sachgerechte und leicht erklärbare Entscheidung.“

Berlin und Hamburg hatten ihre Konzepte für Olympische Spiele 2024 am Sonntag der DOSB-Führung und den Vertretern der Spitzensportverbände präsentiert. „Ich bin enorm überzeugt von dem, was wir hier vorgestellt haben“, berichtete Berlins Sportsenator Frank Henkel (CDU). Zuvor hatte Hamburgs Sportsenator Michael Neumann die Bewerbung der Hansestadt angepriesen. „Wir wollen grandiose, aber keine gigantischen Spiele“, sagt der SPD-Politiker.

„Es war eine gute Präsentation beider Kandidaten“, sagte DOSB-Vorstandschef Michael Vesper. Im Anschluss gaben die Verbände ein Votum für ihren Favoriten ab, es blieb aber geheim. Eine Tendenz war nach dem Treffen nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Welcher Stadt das Präsidium bei der Empfehlung den Vorzug geben wird, ist völlig offen.

Die endgültige Wahl findet am Samstag auf der DOSB-Mitgliederversammlung in der Frankfurter Paulskirche statt. Doch egal welche Stadt gewinnt, die Siegerstadt hat dann nur ein Etappenziel erreicht. Es folgt das Bürgervotum. Ist das erfolgreich überstanden, muss ein Konzept her, mit dem man gegen starke internationale Konkurrenten wie Boston und Rom bestehen kann. Erst mit dem internationalen Wettbewerb startet der eigentliche Wettlauf um die Spiele. 2017 fällt das IOC die endgültige Entscheidung.

An diesen Konkurrenz-Städten könnte die deutsche Olympia-Bewerbung scheitern:

Boston

Die sportbegeisterte Hauptstadt von Massachusetts hat sich bei der US-Vorausscheidung überraschend gegen Los Angeles, San Francisco und Washington durchgesetzt. Boston, das gerade einmal 600 000 Einwohner zählt, setzt auf kompakte und nachhaltige Spiele bei einem kleinen Budget von nur 4,7 Milliarden Dollar. Die bislang letzten Sommerspiele auf amerikanischem Boden fanden 1996 in Atlanta statt, danach scheiterten die USA mit ihren Bewerbungen von New York (2012) und Chicago (2016).

Rom

Bereits für die Sommerspiele 2020 hatte sich Rom beworben, wegen finanzieller Probleme seine Kandidatur aber wieder zurückgezogen. Die Wirtschaftskrise in Italien könnte sich auch diesmal als problematisch erweisen. Rom hatte 1960 die Spiele ausgetragen, danach war die italienische Hauptstadt bei der Bewerbung für 2004 als großer Favorit an Athen gescheitert. Mit Luca di Montezemola als Chef des Bewerbungskomitees soll es diesmal besser laufen, der Ex-Ferrari-Boss hatte bereits 1990 bei der Fußball-WM das Organisationskomitee geleitet. Rom plant mit einem Budget von 6,4 Milliarden Euro und will auch Wettbewerbe in anderen italienischen Städten austragen.

Paris

Offiziell ist es noch nicht, aber alles deutet auf eine erneute Bewerbung der französischen Hauptstadt hin. Die Unterstützung innerhalb der Bevölkerung ist jedenfalls groß. 73 Prozent der Franzosen und 76 Prozent der Pariser Bürger haben sich in einer Umfrage für die Spiele ausgesprochen. Schon bei der Bewerbung für Olympia 2012 war Paris ganz dicht dran, verlor aber trotz der besten Noten durch die Evaluierungskommission knapp gegen London (50:54).2024 soll die Zeit reif sein, exakt 100 Jahre nach der letzten Austragung der Sommerspiele in Paris. 6,2 Milliarden Euro wurden als mögliches Budget veranschlagt.

Budapest

Das Nationale Olympische Komitee Ungarns hat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Auf Grundlage des Reports, der bis Mai dieses Jahres vorliegen soll, wollen die Verantwortlichen über eine Bewerbung entscheiden. Budapest hatte in der Vergangenheit schon häufig vages Interesse gezeigt. Durch die olympische Agenda 2020 sehen die Ungarn nun bessere Chancen bei einer Kandidatur.

Istanbul

Die Sehnsucht nach der erstmaligen Austragung von Olympischen Spielen ist groß. Nachdem Istanbul aber fünfmal in den letzten sechs Bewerbungsphasen scheiterte, steht eine Entscheidung über eine erneute Kandidatur noch aus.

Doha

Dass der Golfstaat Katar lieber heute als morgen die Spiele ausrichten will, steht außer Frage. Am Geld würde es auch nicht scheitern. Für die Spiele 2016 und 2020 hatte es Doha schon versucht, war vom IOC aber nicht in die engere Wahl genommen worden. Eine dritte Kandidatur ist derzeit fraglich. Nach der weltweiten Kritik an der Fußball-WM 2022 und der neuen IOC-Ausrichtung weg vom Gigantismus dürfte Katar schlechte Karten haben.

Baku

Im Juni trägt die Hauptstadt Aserbaidschans die neu geschaffenen Europaspiele aus. Gelingt der Testlauf, wäre eine Bewerbung für Olympia 2024 denkbar.

Australien

IOC-Chef Thomas Bach hat Australien zu einer Bewerbung ermutigt. Das Nationale Olympische Komitee scheint aber eher der Ansicht zu sein, dass 2028 oder 2032 der bessere Zeitpunkt für eine australische Stadt wäre. Schließlich hatte Sydney erst 2000 die Spiele ausgetragen. Geeignete Gastgeber wären neben Sydney auch Melbourne und Brisbane.

 
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