Wahlkampf wie gemalt: "Hat ganz gut gepasst"

Olaf Scholz. Foto: dpa
Olaf Scholz. Foto: dpa

SPD-Kandidat Olaf Scholz gilt als der sichere Sieger - dank akribischer Vorbereitung.

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20. Februar 2011, 04:17 Uhr

Hamburg | Die Sache mit Helmut Schmidt, das war was. Olaf Scholz grinst verschmitzt. "Hat ganz gut gepasst", sagt der SPD-Bürgermeister-Kandidat knapp und kann den Triumph nicht verbergen. Es war ein eher kleiner Coup, aber einer, der Bände spricht. Irgendwie hatte Scholz es fertiggebracht, dass der greise Altkanzler nach vielen Jahren wieder an der SPD-Basis erschien und so zum umjubelten Wahlhelfer wurde. Am selben Tag, an dem die CDU mit dem Auftritt von Karl-Theodor zu Guttenberg glaubte, wenigstens einmal die Schlagzeilen für sich zu haben.
Scholz, der schlitzohrige Taktiker, der akribische Vorbereiter und Organisator. Sein Wahlkampf läuft wie gemalt. Der Zuspruch zur Hamburger SPD liegt doppelt so hoch wie im Bund. Muss Bürgermeister Christoph Ahlhaus auf Wochenmärkten den Menschen hinterherlaufen, kommen sie zum SPD-Herausforderer von selbst. Die Stadtteiltour "Olaf Scholz im Gespräch" zog jedes Mal Hunderte an. Die Säle quollen über, Videoübertragungen nach draußen wurden nötig.
Rote Wahlslogans treffen ins Schwarze
Zu besichtigen war dabei, wie sich der Apparatschik von einst in einen durchaus geschmeidigen Politiker mit wachsender Anziehungskraft verwandelt hat. Zwar wirkt der schmächtige 52-Jährige in der Öffentlichkeit eher unscheinbar, bisweilen immer noch leicht hölzern, seine Sprache hier und da gestelzt. Aber kein Vergleich mehr zum "Scholzomaten" der Agenda-2010-Rhetorik. Eine Hand in der Hosentasche, in der anderen das Mikrofon, beantwortete der ehemalige Bundesarbeitsminister über Monate routiniert, was an Bürgerfragen so kam. Nicht brillant, aber geschickt, solide und glaubwürdig. Genau das wirkt.
Er werde Hamburg wieder "ordentlich regieren", verspricht der Bürgermeister in spe. Seine Plakatbotschaften lauten: "Klarheit", "Vernunft", "Verantwortung". Volltreffer, auch wenn es kaum unspektakulärer geht. Nach den Wirrungen von Schwarz-Grün sehnen sich die Hamburger nach schlichten Grundtugenden und sorgfältigen Handwerkern im Rathaus. Scholz, der Instinktpolitiker. Er hat die einmalige Gelegenheit nach dem Scheitern von Schwarz-Grün erkannt und genutzt.
Dass der Hobby-Läufer Bürgermeister kann, bezweifelt niemand. Dass er sich selbst eine noch höhere Hürde zutraut, ist ein offenes Geheimnis. Wer die am Boden liegende SPD an der Elbe wieder aufrichtet, der kann womöglich auch Kanzler.

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