S11 in Hamburg : Video aufgetaucht: Zumauern der S-Bahn-Tür wurde gefilmt

Lange hielt die Mauer nicht: Laut Auskunft der Deutschen Bahn musste die S-Bahn für zwölf Stunden aus dem Betrieb genommen werden, um die Mauer zu entfernen und den Waggon betriebsbereit zu machen.
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Lange hielt die Mauer nicht: Laut Auskunft der Deutschen Bahn musste die S-Bahn für zwölf Stunden aus dem Betrieb genommen werden, um die Mauer zu entfernen und den Waggon betriebsbereit zu machen.

Die S11 war im April Opfer von heimlichen Maurern geworden. Jetzt kursiert ein Video von der Aktion bei Youtube.

shz.de von
14. Juli 2015, 14:00 Uhr

Hamburg | Ende April sorgte eine kuriose Meldung für ein großes Rätsel. In Hamburg hatten Unbekannte die Tür einer S-Bahn der Linie 11 zugemauert. Das Ergebnis dieser Aktion wurde erst während der Fahrt bemerkt. Jetzt ist ein Video aufgetaucht, welches den Mauerbau zeigt. Der Film mit einer Länge von 5:56 Minuten wurde auf Youtube hochgeladen. Auch wurden Fahrgäste gefilmt, die die am Bahnsteig die Tür öffneten und vor dem zugemauerten Eingangsbereich standen.

Unbekannte hatten am 28. April in einem Waggon der S11 eine Tür komplett mit Ytong-Steinen zugemauert. Tag der geschlossenen Tür im S-Bahnnetz. Mit der Mauer in der Türöffnung war der Zug etwa 45 Minuten im regulären Einsatz unterwegs, von Barmbek bis Blankenese und zurück nach Altona. Dort wiesen Fahrgäste den Triebwagenführer auf den Coup hin. Im Bahnhof Sternschanze wurde der Zug ausgesetzt.

Unter dem Namen „Moses & Taps – The Wall“ sieht man ein Duo mit Bauwesten getarnt auf einem Bahngelände den Zug aufsuchen und mit den Maurerarbeiten beginnen. Offenbar handelt es sich dabei um zwei im norddeutsche Raum bekannte Sprayer des Kollektivs, vermutet die Hamburger Morgenpost. Das Besprühen von Zügen ist das Spezialgebiet der Gruppe, die ihre Identität verbirgt.

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Der Sprecher der Hamburger Bundespolizei, Rüdiger Carstens, war im April nicht sicher, ob es sich um einen Racheakt, „nur“ einen Dumme-Jungen-Streich oder womöglich das Werk übermütiger Maurerlehrlinge handelte? Eines aber wusste der Sprecher: Einen solchen Fall hatten er und seine Kollegen noch nie zu bearbeiten.

„Das ist kein Spaß“, sagte eine Sprecherin der S-Bahn Hamburg damals. Sie bezifferte den Schaden für Reinigung und zwölfstündigen Betriebsausfall des Wagens auf „mehrere zehntausend Euro“. Den Tätern drohen entsprechende Regressforderungen.

Auch strafrechtlich hat die Aktion erhebliche Folgen. Bundespolizei-Sprecher Carstens: „Wir ermitteln wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung und wegen der Störung öffentlicher Betriebe.“ Allein auf letzteres stehen Geldstrafe oder Haft bis zu fünf Jahren.

Fest steht, dass geübte Handwerker am Werk waren. Nicht nur sind die Gasbetonsteine mit einem dafür geeigneten Betonkleber verbunden. Auch haben die Unbekannten die Schlusssteine an den Seiten und am oberen Ende der Mauer passend zurechtgeschnitten und eingefügt. Die Täter müssen die Maße der Türöffnung gekannt haben und bestens vorbereitet am Tatort erschienen sein. Zur Abdichtung nutzten sie Bauschaum.

Für die Fahnder ist all das nun wertvolles Beweismaterial. Auch sichten sie weitere Aufnahmen aus Überwachungskameras. Das Motiv der Ytong-Bande ist derweil völlig unklar. Ob das Youtube-Video den Ermittlern nun weitere Erkenntnisse liefert, bleibt abzuwarten. „Unsere Ermittler werten jetzt das Video gründlich aus. Es gibt uns neue Ermittlungsansätze“, sagte Carstens am Dienstag.

Hinweise nimmt die Bundespolizeiinspektion Hamburg unter Telefon: (040) 6699505555 entgegen; der Anschluss ist 24 Stunden am Tag besetzt.

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