"Piraten-Prozess" - Landgericht Hamburg : Vermeintlicher "Kinder-Pirat" lässt Antrag zurücknehmen

Im Piraten-Prozess hat die Verteidigung des angeblich 13-jährigen Angeklagten den Antrag auf Einstellung des Verfahrens gegen ihren Mandanten zurückgenommen.

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18. Januar 2011, 09:47 Uhr

Wie alt ist er wirklich? Ein Kind - oder vielleicht sogar schon erwachsen? Der wegen Piraterie angeklagte Somalier gibt sein wahres Alter nach wie vor nicht preis. Aber sein Anwalt hat die Forderung, das des Verfahren wieder einzustellen, zurückgezogen. Der Somalier hatte beim Prozessauftakt vor dem Hamburger Landgericht angegeben, erst 13 Jahre alt zu sein - damit wäre er nicht strafmündig. Im Laufe der Hauptverhandlung hatten jedoch mehrere Experten zur Altersbestimmung ausgesagt, nach ihren Untersuchungen sei der Angeklagte mindestens 14 Jahre, wahrscheinlich sogar über 18 Jahre alt.
Ein anderer Angeklagter, der ebenfalls noch nicht volljährig sein soll, hatte die Tat am vergangenen Verhandlungstag bereits eingeräumt. Der vermutlich 17-Jährige ließ durch seine Anwälte verlesen, er habe erst auf dem Boot erfahren, dass ein anderes Schiff gekapert werden soll. Beim Anblick der Waffen an Bord habe er "ein ungutes Gefühl" gehabt. Zwar sei der ehemalige Hafenarbeiter als Steuermann an dem Überfall auf die "Taipan" am Ostersonntag 2010 beteiligt gewesen, habe aber nicht geschossen. Es sei vorher klar gewesen, dass kein Mitglied der Besatzung bei dem Angriff verletzt oder getötet werden sollte. "Es tut mir leid, dass ich an der Aktion beteiligt war", räumte er vor Gericht ein.
"So schnell wie möglich integriert"
Seine Anwälte beantragten daraufhin, den Haftbefehl gegen ihren Mandanten aufzuheben. Ein Mitarbeiter des Hamburger Jugendamtes sagte am Montag vor Gericht aus, der angeblich 17 Jahre alte Angeklagte müsse "so schnell wie möglich integriert werden", da er vermutlich nach der Verhandlung weiter in Deutschland leben werde.
Bislang haben drei der zehn Angeklagten eine Beteiligung an dem Überfall auf das Hamburger Containerschiff "Taipan" vor Gericht eingeräumt. Die Männer müssen sich in der Hansestadt wegen Gefährdung des Seeverkehrs und erpresserischen Menschenraubs verantworten.
(lno, shz)

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