Hamburger Amtsgericht : Uwe Seeler verletzt - Unfallfahrer ohne Reue

Uwe Seeler und sein Fahrer wurden bei einem Unfall vor fünf Monaten schwer verletzt. Dem Unfallfahrer war sein eigener Prozess nun vollkommen gleichgültig.

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16. Januar 2011, 07:09 Uhr

Hamburg | Der Angeklagte machte sich gar nicht erst die Mühe einer Entschuldigung: "Ich habe gestern Abend gefeiert und heute verschlafen", erklärte Eugen G. dem erstaunten Amtsrichter, warum er den Verhandlungstermin um 11.30 Uhr nicht schaffen konnte. Dem 22-Jährigen war sein eigener Prozess völlig gleichgültig. Die Hamburger Öffentlichkeit wartete dagegen umso gespannter, war G. doch als Verursacher jenes Unfalls angeklagt, bei dem Fußball-Legende Uwe Seeler vor fünf Monaten schwer verletzt wurde.
Polizisten brachten den saumseligen Angeklagten schließlich mit mehr als einstündiger Verspätung ins Gericht. Ein ganz anderes Tempo hatte der Deutsch-Russe am 24. Juli 2010 angeschlagen. An jenem lauen Sommerabend stibitzte der junge Mann seinem Vater die Autoschlüssel für den BMW und preschte mit drei Kumpels zum Feiern von Neuwiedenthal in Richtung Hamburg. Einen Führerschein besaß der arbeitslose Mann da schon nicht mehr, weil er den nach einer Trunkenheitsfahrt abgeben musste. Auch diesmal hatte er reichlich getankt. 1,6 Promille Alkohol sowie Spuren von Kokain fanden sich nach dem Crash in seinem Blut.
220 Stundenkilometer beim Aufprall
Auf der A 7 Richtung Norden gab der Betrunkene Vollgas, beschleunigte vor dem Elbtunnel auf mehr als 200 Stundenkilometer - bei einem Tempolimit von 80. Ungebremst rammte G. dann von hinten den S-Klasse-Mercedes, in dem das HSV-Idol als Beifahrer saß. "Es gab einen Riesenknall, das Fahrzeug drehte sich, und wir schleuderten gegen die Leitplanke", schilderte Mercedes-Fahrer Werner T. (68) den Aufprall. Der Seeler-Berater erlitt einen Rippenbruch, Prellungen und Verbrennungen.
Seeler war zum Prozess nicht geladen. Der 74-Jährige liegt wieder in der Klinik, weil ihm Splitter aus der Wirbelsäule entfernt werden mussten. Bei dem Unfall war die Panzerglas-Seitenscheibe quer ins Innere des Mercedes gedrückt worden und hatte den Altstar voll erwischt. Seeler brach sich zwei Brustwirbel, erlitt eine tiefe Wunde auf der Stirn und ist inzwischen auf dem rechten Ohr taub.
G., der ohne Verteidiger erschien, brachte kein Wort der Reue über die Lippen. Schriftlich hatte er zuvor ein Geständnis abgelegt, darin aber behauptet, T. habe sich mit ihm ein Rennen geliefert. Die Daten aus den Bordcomputern sprechen eine andere Sprache: Der BMW hatte beim Aufprall Tempo 220 auf dem Tacho, der Seeler-Wagen fuhr vorschriftsmäßig 80 Stundenkilometer.
Dennoch bleibt dem Raser das Gefängnis erspart. Zwar sprach der Richter G. wegen fahrlässiger Körperverletzung, Gefährdung des Straßenverkehrs sowie Fahrens ohne Fahrerlaubnis schuldig. Die zehnmonatige Freiheitsstrafe setzte er aber zur Bewährung aus. Seeler-Freund T. war empört: "Das verstehe ich nicht."

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